Wie soll man den Holocaust unterrichten?
Autor: "de.soc.politik.misc" (2008-04-27 12:30:53)
das Interview führte Beata Maciejewska 18.04.2008
Tageszeitung "Gazeta Wyborcza", Regionalredaktion Wroclaw / Breslau
Breslauer und Oppelner Lehrer lernen im israelischen Institut Yad Vashem,
wie man den Schülern die Tragödie des Holocaust beibringen soll. Sie
haben
schon 130 Unterrichtsstunden hinter sich (!), nicht nur darüber, was bei
der
Vernichtung geschehen ist, sondern auch über jüdische Kultur und
über die
Geschichte der Juden ab der Zeit ihrer Einwanderung auf
das Gebiet Polens. Sie schauten sich Unterrichtsmaterialien an, z.B. Bilder,
Dokumente, Erinnerungstücke, Schallplatten - und sie teilten das alles
auch
mit anderen Lehrern.
Interview mit Ewa Skrzywanek
Beata Maciejewska: Vor einigen Jahren untersuchten Fachleute der Krakauer
Universität (UJ), was polnische Schüler an den Volksschulen und an
den
Haupt- und Mittelschulen über den Holocaust wissen. Fast 13% von den
1.000
Befragten meinten, die Mehrzahl der Verbrechen, die in Auschwitz und in
anderen Konzentrationslagern begangen worden sind, seien eine Fiktion. Auf
die Frage "Glaubst Du, dass Polen während des Krieges den Juden
geholfen
haben?", antworteten ganze 42,9% der Schüler: "Ich weiß es
nicht".
Unterrichten also die Schulen den Holocaust nicht?
Ewa Skrzywanek, Lehrerin, Beraterin auf dem Gebiete der Methodik am
Breslauer Zentrum für
Lehrerfortbildung (Wroclawski Osrodek Doskonalenia Zawodowego Nauczycieli),
Organisatorin
des Projekts, Geschichtslehrerin an der Grundschule SP 63 in der Ulica
Menniczej in Breslau, sagt:
"Doch, doch, sie unterrichten ihn. Er ist Teil einer Unterrichtsstunde.
Die
Schüler haben (nur) zwei Geschichtsstunden pro Woche und sie müssen
sich
aber auch andererseits mit den Geschehnissen aus aller Welt befassen (Anm.:
und da bleibt dann nicht mehr so viel Zeit für den Holocaust). Sie
bekommen
eine Unmenge an allgemeinen Informationen, die das einfache Schema der
Aufteilung
der Realitäten im Krieg zwischen "Tätern" und
"Opfern" eben weiterträgt und
vervielfältigt (Anm.: und nicht differenziert). Es fehlt einfach die Zeit,
um den Mechanismus des Bösen aufzuzeigen - und die Überzeugung, dass
auch
weiterhin noch die Möglichkeit der Rückkehr (Anm.: des Bösen)
besteht."
Aber der Holocaust ist nicht die Geschichte des Altertums. Er fand zur Zeit
unserer Großeltern und Urgroßeltern statt, also, es leben noch
Zeitzeugen.
Er hat einen viel größeren Einfluß auf unser Leben als z.B.
die
Eroberungszüge der Hethiter. (Anm.: die Hethiter aus Kleinasien wurden
hier
als x-beliebiges Beispiel angeführt)
Ja, und deshalb denkt sich ein kluger Lehrer ein Projekt aus, in dem sich
die Schüler engagieren können. Das Breslauer Gymnasium LO Nr. XII
z.B. hat
aus den Niederlanden eine Ausstellung mitgebracht, die der Anne Frank
gewidmet ist (Anm.: und die jetzt dort in der Schule ausgestellt ist) man
hat auch andere Schulen dazu eingeladen, sich das anzuschauen, und die
Schüler des Gymnasiums Nr. XII waren dann die Führer durch die
Ausstellung.
Des weiteren beschäftigte sich eine der Gemeinschaftsschulen
(Gesamtschulen)
aus Oppeln mit der Person des Leo Beck, eines berühmten Rabbiners, eines
Philosophen, eines Denkers, der Theresienstadt überlebt hat. Die
Schüler
sammelten Dokumente in den Archiven, sie nahmen Kontakt mit dem
"Leo-Beck-Institut"
in London auf, und sie gestalteten eine multimediale Präsentation.
Wenn wir also ohnehin Geschichte unterrichten können, wozu dann noch der
Workshop
in Yad Vashem?
Um zu lernen, wie man das noch besser machen kann. Dieses israelische
Institut befasst sich unter anderem mit der Methodik des Unterrichtens des
Holocausts - und es macht das einfach perfekt. Die dortigen Spezialisten
zeigten uns, wie man diese damaligen Ereignisse für den
Geschichtsunterricht
heranziehen kann, wie man die Opfer vermenschlichen kann (Anm.: gemeint ist:
wie man anonyme Massen-Opfer wieder als Einzelperson und Einzelschicksal
darstellen kann), die normalerweise in
den anonymen Leichenhäufen aufgestapelt waren, sie zeigten uns, dass wir
(Lehrer die Schüler)
nicht mit drastischen Fotos belasten sollen, denn so etwas bewirke genau das
Gegenteil. Anstelle
des Zeigens von Leichenbergen sei es viel besser, ein Lied aus dem
Warschauer Ghetto vorzuspie- len, ein Fragment einer Erinnerung vorzulesen.
Im Laufe der Unterrichtsstunde lernen wir dann den Autor kennen, vielleicht
lieben wir ihn dann auch, aber ganz sicher engagieren wir (Anm.: also die
Schüler) uns irgendwie emotional. Wenn wir dann hören, dass er
gestorben
ist, dann bewegt uns diese (einzelne) Information mehr, als die Statistik
über Millionen Todesopfer. Weil eben ein einzelner Mensch verstorben ist,
der uns jetzt schon nahe war (Anm.: im Unterricht). Wir werden dann selber
auf die Frage "warum nur?!" antworten wollen (Anm.: gemeint ist
damit, die
Schüler sollen sich dann fragen: "Warum bloß konnte das alles
[= der
Holocaust an den 6 Millionen] überhaupt passieren??!!").
Das klingt ja sehr gut, man könnte meinen, wir würden uns im Blick
auf das
Unterrichten des Holocaust nicht unterscheiden. Es war aber doch auch
anders. Die Polen unterstreichen zwar, sie seien zahlenmäßig die am
häufigsten vertretene Nation unter den "Gerechten" (Anm.: das
sind Menschen,
die im Krieg unter Lebensgefahr Juden vor der Vergasung gerettet haben),
aber die Juden wiederum sagen, dass die Polen wohl mehr tun hätten
können,
um das alles zu verhin- dern, spielte sich doch der Holocaust
"während ihrer
Anwesenheit" (Anm.: der Polen) ab.
In Yad Vashem hat man oft unterstrichen, dass die Aufteilung in
"Täter" und
"Opfer" ganz und gar nicht einfach ist. Wir haben ein Foto aus dem
Warschauer Ghetto gesehen, auf dem man eine reiche, in Pelz gekleidete
Jüdin
und ein hungerndes Kind sehen kann. Man hat uns dann die Geschichte dieser
jungen Frau erzählt, die zusammen mit ihrer Schwiegermutter und ihrem Kind
in das KZ ge- bracht wurde, die dann erfahren hat, dass Mutter und Tochter
getötet werden sollten. Dann gab sie ihrer Mutter das Kind. Und (nur) sie
hat das KZ überlebt. (Anm.: sie war also "Opfer" und
"Täter" in einer
Person. Kind und Großmutter kamen um, sie überlebte. Das Kind
hätte
wahrscheinlich auch überlebt, wenn sie es nicht der Großmutter
übergegeben
hätte. Sie nahm also den Tod des eigenen Kindes billigend in Kauf, um sich
so selbst retten zu können!! Ein interessantes Beispiel!)
Aber wir haben auch über jene Polen gesprochen, über die
Kollaborateure und
über die Gleich-gültigen, was das Schicksal des eigenen Nachbarn
betraf, die
nichts unternommen haben, um
diese Menschen, die ihnen so nahe waren, zu retten...
Und, gab es keine Streitereien??
Aber klar, ja, es gab welche. Natürlich tut das weh. Wir selbst wollten
auch
"Gerechte" sein, aber wir wissen auch nur zu gut, dass diese
Vergangenheit
auch ihre "schwarzen Seiten" hat (Anm.: gemeint ist damit, dass man
hier
zugibt, dass sich auch Polen an Verbrechen gegen die Juden schuldig gemacht
haben). Es braucht aber Mut dazu, sich auch dazu zu bekennen.
Das Institut Yad Vashem bereitet solche Workshops für verschiedene
Länder
vor, und
diese dauern dann eine Woche. Nur die Polen kommen für zwei Wochen. Warum
das?
Weil Polen für die Juden so unheimlich wichtig war. Über Jahrhunderte
hindurch lebten wir gemein-sam, unser Staat Polen war für sie
geöffnet
(zugänglich). "Polen" / "Polska" bedeutet in der
hebräi- schen Sprache "ein
Land, in dem man sich ausruhen kann" (sic!!). Aber auch trotz des
nachfolgenden Antisemitismus (Anm.: in Polen) haben sie das nie vergessen.
Und deswegen liegt dem Institut Yad Vashem in Jerusalem im übrigen sehr an
einer Zusammenarbeit mit polnischen Schulen. Man möchte, dass die
israelische Schuljugend nach Polen fährt und auf der Reise - auf dem Wege
ihrer Vorfahren - Kontakt mit unseren Schülern aufnimmt. Das ist wohl die
beste Methode, um die schädlichen Stereo- typen abzubauen (Anm.: die es
auf
beiden Seiten immer noch gibt und auch weiterhin geben wird...).
Kann man die methodischen Ideen, die von Yad Vashem ausgearbeitet worden
sind, im Unterrichten auch von anderen schwierigen Ereignissen unserer
Geschichte benutzen?
Ja, man kann das machen, und wir haben auch vor, das zu tun... Wenngleich
die Verbrechen von
Katyn oder die (Anm.: schlechten, blutigen) Beziehungen Polen - Ukraine
unterrichtet werden.
die Fragen stellte Beata Maciejewska
Quelle: Tageszeitung "Gazeta Wyborcza", Redaktion Breslau
http://miasta.gazeta.pl/wroclaw/1,35751,5133810.html
Autor: dlinkat@hotmail.com (D. Link) (2008-04-27 12:44:31)
de.soc.politik.misc wrote:
> Beata Maciejewska: Vor einigen Jahren untersuchten Fachleute der Krakauer
> Universität (UJ), was polnische Schüler an den Volksschulen und
an den
> Haupt- und Mittelschulen über den Holocaust wissen. Fast 13% von den
1.000
> Befragten meinten, die Mehrzahl der Verbrechen, die in Auschwitz und in
> anderen Konzentrationslagern begangen worden sind, seien eine Fiktion. Auf
> die Frage "Glaubst Du, dass Polen während des Krieges den Juden
geholfen
> haben?", antworteten ganze 42,9% der Schüler: "Ich
weiß es nicht".
> Unterrichten also die Schulen den Holocaust nicht?
Die Schüler sollten schon wissen, was in Oswiecem/Polen passiert ist!
D. Link
Autor: dlinkat@hotmail.com (D. Link) (2008-04-27 12:44:31)
Autor: dlinkat@hotmail.com (D. Link) (2008-04-27 12:44:31)
de.soc.politik.misc wrote:
> Beata Maciejewska: Vor einigen Jahren untersuchten Fachleute der Krakauer
> Universität (UJ), was polnische Schüler an den Volksschulen und
an den
> Haupt- und Mittelschulen über den Holocaust wissen. Fast 13% von den
1.000
> Befragten meinten, die Mehrzahl der Verbrechen, die in Auschwitz und in
> anderen Konzentrationslagern begangen worden sind, seien eine Fiktion. Auf
> die Frage "Glaubst Du, dass Polen während des Krieges den Juden
geholfen
> haben?", antworteten ganze 42,9% der Schüler: "Ich
weiß es nicht".
> Unterrichten also die Schulen den Holocaust nicht?
Die Schüler sollten schon wissen, was in Oswiecem/Polen passiert ist!
D. Link
Autor: STIMME DER WAHRHEIT (2008-04-27 13:46:26)
Am Sun, 27 Apr 2008 12:30:53 +0200 schrieb de.soc.politik.misc:
blablabla...
Und wen soll das interessieren?
--
Deutsche Politiker: Ein macht- und geldgeiles Lumpenpack.
Am schlimmsten: Die Wählerbetrüger und Rentenräuber von der
SPDS.
Autor: "Kurt Knoll" (2008-04-27 11:57:00)
"D. Link" wrote in message
news:1ig23bb.cm4a2yj1c6sxN%dlinkat@hotmail.com...
> de.soc.politik.misc wrote:
>
>> Beata Maciejewska: Vor einigen Jahren untersuchten Fachleute der
Krakauer
>> Universität (UJ), was polnische Schüler an den Volksschulen
und an den
>> Haupt- und Mittelschulen über den Holocaust wissen. Fast 13% von
den
>> 1.000
>> Befragten meinten, die Mehrzahl der Verbrechen, die in Auschwitz und
in
>> anderen Konzentrationslagern begangen worden sind, seien eine Fiktion.
>> Auf
>> die Frage "Glaubst Du, dass Polen während des Krieges den
Juden geholfen
>> haben?", antworteten ganze 42,9% der Schüler: "Ich
weiß es nicht".
>> Unterrichten also die Schulen den Holocaust nicht?
>
> Die Schüler sollten schon wissen, was in Oswiecem/Polen passiert ist!
>
> D. Link
Sie werden es schon wissen um was es sich dreht wen es ihnen lange genug
eingetrichtert wird.
Kurt Knoll.
Autor: "Kurt Knoll" (2008-04-27 11:57:00)
"D. Link" wrote in message
news:1ig23bb.cm4a2yj1c6sxN%dlinkat@hotmail.com...
> de.soc.politik.misc wrote:
>
>> Beata Maciejewska: Vor einigen Jahren untersuchten Fachleute der
Krakauer
>> Universität (UJ), was polnische Schüler an den Volksschulen
und an den
>> Haupt- und Mittelschulen über den Holocaust wissen. Fast 13% von
den
>> 1.000
>> Befragten meinten, die Mehrzahl der Verbrechen, die in Auschwitz und
in
>> anderen Konzentrationslagern begangen worden sind, seien eine Fiktion.
>> Auf
>> die Frage "Glaubst Du, dass Polen während des Krieges den
Juden geholfen
>> haben?", antworteten ganze 42,9% der Schüler: "Ich
weiß es nicht".
>> Unterrichten also die Schulen den Holocaust nicht?
>
> Die Schüler sollten schon wissen, was in Oswiecem/Polen passiert ist!
>
> D. Link
Sie werden es schon wissen um was es sich dreht wen es ihnen lange genug
eingetrichtert wird.
Kurt Knoll.
Autor: Hans Bolte (2008-04-27 14:37:04)
Wie die Polen den Juden in den Arsch kriechen!
Die haben genau begriffen, wer das Deutsche Vermögen aufteilt.
Hans
de.soc.politik.misc schrieb:
> das Interview führte Beata Maciejewska 18.04.2008
>
> Tageszeitung "Gazeta Wyborcza", Regionalredaktion Wroclaw /
Breslau
>
> Breslauer und Oppelner Lehrer lernen im israelischen Institut Yad Vashem,
> wie man den Schülern die Tragödie des
Holocaust beibringen soll. Sie haben
> schon 130 Unterrichtsstunden hinter sich (!), nicht nur
darüber, was bei der
> Vernichtung geschehen ist, sondern auch über
jüdische Kultur und über die
> Geschichte der Juden ab der Zeit ihrer Einwanderung auf
> das Gebiet Polens. Sie schauten sich Unterrichtsmaterialien an, z.B.
Bilder,
> Dokumente, Erinnerungstücke, Schallplatten - und sie
teilten das alles auch
> mit anderen Lehrern.
>
> Interview mit Ewa Skrzywanek
>
> Beata Maciejewska: Vor einigen Jahren untersuchten Fachleute der Krakauer
> Universität (UJ), was polnische Schüler an
den Volksschulen und an den
> Haupt- und Mittelschulen über den Holocaust wissen. Fast
13% von den 1.000
> Befragten meinten, die Mehrzahl der Verbrechen, die in Auschwitz und in
> anderen Konzentrationslagern begangen worden sind, seien eine Fiktion. Auf
> die Frage "Glaubst Du, dass Polen während des Krieges
den Juden geholfen
> haben?", antworteten ganze 42,9% der Schüler:
"Ich weiÃź es nicht".
> Unterrichten also die Schulen den Holocaust nicht?
>
> Ewa Skrzywanek, Lehrerin, Beraterin auf dem Gebiete der Methodik am
> Breslauer Zentrum für
> Lehrerfortbildung (Wroclawski Osrodek Doskonalenia Zawodowego
Nauczycieli),
> Organisatorin
> des Projekts, Geschichtslehrerin an der Grundschule SP 63 in der Ulica
> Menniczej in Breslau, sagt:
>
> "Doch, doch, sie unterrichten ihn. Er ist Teil einer
Unterrichtsstunde. Die
> Schüler haben (nur) zwei Geschichtsstunden pro Woche und
sie müssen sich
> aber auch andererseits mit den Geschehnissen aus aller Welt befassen
(Anm.:
> und da bleibt dann nicht mehr so viel Zeit für den
Holocaust). Sie bekommen
> eine Unmenge an allgemeinen Informationen, die das einfache Schema der
> Aufteilung
> der Realitäten im Krieg zwischen
"Tätern" und "Opfern" eben
weiterträgt und
> vervielfältigt (Anm.: und nicht differenziert). Es fehlt
einfach die Zeit,
> um den Mechanismus des Bösen aufzuzeigen - und die
Ãśberzeugung, dass auch
> weiterhin noch die Möglichkeit der Rückkehr
(Anm.: des Bösen) besteht."
>
> Aber der Holocaust ist nicht die Geschichte des Altertums. Er fand zur
Zeit
> unserer GroÃźeltern und UrgroÃźeltern statt, also, es
leben noch Zeitzeugen.
> Er hat einen viel grÃ¶Ãźeren EinfluÃź auf
unser Leben als z.B. die
> Eroberungszüge der Hethiter. (Anm.: die Hethiter aus
Kleinasien wurden hier
> als x-beliebiges Beispiel angeführt)
>
> Ja, und deshalb denkt sich ein kluger Lehrer ein Projekt aus, in dem sich
> die Schüler engagieren können. Das Breslauer
Gymnasium LO Nr. XII z.B. hat
> aus den Niederlanden eine Ausstellung mitgebracht, die der Anne Frank
> gewidmet ist (Anm.: und die jetzt dort in der Schule ausgestellt ist) man
> hat auch andere Schulen dazu eingeladen, sich das anzuschauen, und die
> Schüler des Gymnasiums Nr. XII waren dann die
Führer durch die Ausstellung.
> Des weiteren beschäftigte sich eine der
Gemeinschaftsschulen (Gesamtschulen)
> aus Oppeln mit der Person des Leo Beck, eines berühmten
Rabbiners, eines
> Philosophen, eines Denkers, der Theresienstadt überlebt
hat. Die Schüler
> sammelten Dokumente in den Archiven, sie nahmen Kontakt mit dem
> "Leo-Beck-Institut"
> in London auf, und sie gestalteten eine multimediale
Präsentation.
>
> Wenn wir also ohnehin Geschichte unterrichten können, wozu
dann noch der
> Workshop
> in Yad Vashem?
>
> Um zu lernen, wie man das noch besser machen kann. Dieses israelische
> Institut befasst sich unter anderem mit der Methodik des Unterrichtens des
> Holocausts - und es macht das einfach perfekt. Die dortigen Spezialisten
> zeigten uns, wie man diese damaligen Ereignisse für den
Geschichtsunterricht
> heranziehen kann, wie man die Opfer vermenschlichen kann (Anm.: gemeint
ist:
> wie man anonyme Massen-Opfer wieder als Einzelperson und Einzelschicksal
> darstellen kann), die normalerweise in
> den anonymen Leichenhäufen aufgestapelt waren, sie zeigten
uns, dass wir
> (Lehrer die Schüler)
> nicht mit drastischen Fotos belasten sollen, denn so etwas bewirke genau
das
> Gegenteil. Anstelle
> des Zeigens von Leichenbergen sei es viel besser, ein Lied aus dem
> Warschauer Ghetto vorzuspie- len, ein Fragment einer Erinnerung
vorzulesen.
> Im Laufe der Unterrichtsstunde lernen wir dann den Autor kennen,
vielleicht
> lieben wir ihn dann auch, aber ganz sicher engagieren wir (Anm.: also die
> Schüler) uns irgendwie emotional. Wenn wir dann
hören, dass er gestorben
> ist, dann bewegt uns diese (einzelne) Information mehr, als die Statistik
> über Millionen Todesopfer. Weil eben ein einzelner Mensch
verstorben ist,
> der uns jetzt schon nahe war (Anm.: im Unterricht). Wir werden dann selber
> auf die Frage "warum nur?!" antworten wollen (Anm.: gemeint ist
damit, die
> Schüler sollen sich dann fragen: "Warum bloÃź
konnte das alles [= der
> Holocaust an den 6 Millionen] überhaupt
passieren??!!").
>
> Das klingt ja sehr gut, man könnte meinen, wir
würden uns im Blick auf das
> Unterrichten des Holocaust nicht unterscheiden. Es war aber doch auch
> anders. Die Polen unterstreichen zwar, sie seien
zahlenmÃ¤Ãźig die am
> häufigsten vertretene Nation unter den
"Gerechten" (Anm.: das sind Menschen,
> die im Krieg unter Lebensgefahr Juden vor der Vergasung gerettet haben),
> aber die Juden wiederum sagen, dass die Polen wohl mehr tun
hätten können,
> um das alles zu verhin- dern, spielte sich doch der Holocaust
"während ihrer
> Anwesenheit" (Anm.: der Polen) ab.
>
> In Yad Vashem hat man oft unterstrichen, dass die Aufteilung in
"Täter" und
> "Opfer" ganz und gar nicht einfach ist. Wir haben ein Foto aus
dem
> Warschauer Ghetto gesehen, auf dem man eine reiche, in Pelz gekleidete
Jüdin
> und ein hungerndes Kind sehen kann. Man hat uns dann die Geschichte dieser
> jungen Frau erzählt, die zusammen mit ihrer Schwiegermutter
und ihrem Kind
> in das KZ ge- bracht wurde, die dann erfahren hat, dass Mutter und Tochter
> getötet werden sollten. Dann gab sie ihrer Mutter das Kind.
Und (nur) sie
> hat das KZ überlebt. (Anm.: sie war also "Opfer"
und "Täter" in einer
> Person. Kind und GroÃźmutter kamen um, sie
überlebte. Das Kind hätte
> wahrscheinlich auch überlebt, wenn sie es nicht der
GroÃźmutter übergegeben
> hätte. Sie nahm also den Tod des eigenen Kindes billigend
in Kauf, um sich
> so selbst retten zu können!! Ein interessantes Beispiel!)
>
> Aber wir haben auch über jene Polen gesprochen,
über die Kollaborateure und
> über die Gleich-gültigen, was das Schicksal
des eigenen Nachbarn betraf, die
> nichts unternommen haben, um
> diese Menschen, die ihnen so nahe waren, zu retten...
>
> Und, gab es keine Streitereien??
>
> Aber klar, ja, es gab welche. Natürlich tut das weh. Wir
selbst wollten auch
> "Gerechte" sein, aber wir wissen auch nur zu gut, dass diese
Vergangenheit
> auch ihre "schwarzen Seiten" hat (Anm.: gemeint ist damit, dass
man hier
> zugibt, dass sich auch Polen an Verbrechen gegen die Juden schuldig
gemacht
> haben). Es braucht aber Mut dazu, sich auch dazu zu bekennen.
>
> Das Institut Yad Vashem bereitet solche Workshops für
verschiedene Länder
> vor, und
> diese dauern dann eine Woche. Nur die Polen kommen für zwei
Wochen. Warum
> das?
>
> Weil Polen für die Juden so unheimlich wichtig war.
Ãśber Jahrhunderte
> hindurch lebten wir gemein-sam, unser Staat Polen war für
sie geöffnet
> (zugänglich). "Polen" / "Polska"
bedeutet in der hebräi- schen Sprache "ein
> Land, in dem man sich ausruhen kann" (sic!!). Aber auch trotz des
> nachfolgenden Antisemitismus (Anm.: in Polen) haben sie das nie vergessen.
> Und deswegen liegt dem Institut Yad Vashem in Jerusalem im
übrigen sehr an
> einer Zusammenarbeit mit polnischen Schulen. Man möchte, dass
die
> israelische Schuljugend nach Polen fährt und auf der Reise
- auf dem Wege
> ihrer Vorfahren - Kontakt mit unseren Schülern aufnimmt.
Das ist wohl die
> beste Methode, um die schädlichen Stereo- typen abzubauen
(Anm.: die es auf
> beiden Seiten immer noch gibt und auch weiterhin geben wird...).
>
> Kann man die methodischen Ideen, die von Yad Vashem ausgearbeitet worden
> sind, im Unterrichten auch von anderen schwierigen Ereignissen unserer
> Geschichte benutzen?
>
> Ja, man kann das machen, und wir haben auch vor, das zu tun... Wenngleich
> die Verbrechen von
> Katyn oder die (Anm.: schlechten, blutigen) Beziehungen Polen - Ukraine
> unterrichtet werden.
>
>
> die Fragen stellte Beata Maciejewska
>
>
> Quelle: Tageszeitung "Gazeta Wyborcza", Redaktion Breslau
>
> http://miasta.gazeta.pl/wroclaw/1,35751,5133810.html
>
--
http://www.hansbolte.de
Autor: "dickerhansi" (2008-04-27 16:01:45)
"D. Link" schrieb im Newsbeitrag
news:1ig23bb.cm4a2yj1c6sxN%dlinkat@hotmail.com...
> de.soc.politik.misc wrote:
>
> > Beata Maciejewska: Vor einigen Jahren untersuchten Fachleute der
Krakauer
> > Universität (UJ), was polnische Schüler an den Volksschulen
und an den
> > Haupt- und Mittelschulen über den Holocaust wissen. Fast 13%
von den
1.000
> > Befragten meinten, die Mehrzahl der Verbrechen, die in Auschwitz und
in
> > anderen Konzentrationslagern begangen worden sind, seien eine
Fiktion.
Auf
> > die Frage "Glaubst Du, dass Polen während des Krieges den
Juden geholfen
> > haben?", antworteten ganze 42,9% der Schüler: "Ich
weiß es nicht".
> > Unterrichten also die Schulen den Holocaust nicht?
>
> Die Schüler sollten schon wissen, was in Oswiecem/Polen passiert ist!
Was soll da passiert sein?
Autor: "dickerhansi" (2008-04-27 16:01:45)
"D. Link" schrieb im Newsbeitrag
news:1ig23bb.cm4a2yj1c6sxN%dlinkat@hotmail.com...
> de.soc.politik.misc wrote:
>
> > Beata Maciejewska: Vor einigen Jahren untersuchten Fachleute der
Krakauer
> > Universität (UJ), was polnische Schüler an den Volksschulen
und an den
> > Haupt- und Mittelschulen über den Holocaust wissen. Fast 13%
von den
1.000
> > Befragten meinten, die Mehrzahl der Verbrechen, die in Auschwitz und
in
> > anderen Konzentrationslagern begangen worden sind, seien eine
Fiktion.
Auf
> > die Frage "Glaubst Du, dass Polen während des Krieges den
Juden geholfen
> > haben?", antworteten ganze 42,9% der Schüler: "Ich
weiß es nicht".
> > Unterrichten also die Schulen den Holocaust nicht?
>
> Die Schüler sollten schon wissen, was in Oswiecem/Polen passiert ist!
Was soll da passiert sein?