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Interessanter artikel über Belgien

Autor: "Michael Laudahn eOpposition" (2007-12-30 22:23:19)

Ein Nationalstaat zerfällt

Das Ende von Belgien


14. Dezember 2007 Seit einem halben Jahr hat Belgien keine gewählte
Regierung. Nein: Das Land hat keineswegs keine funktionierende Regierung,
sondern mindestens drei. Wenn es in Deutschland keine gesamtbelgische
Tourismusbehörde mehr gibt, sondern stattdessen flämische und wallonische
Fremdenverkehrsbüros öffnen; wenn Flandern einen Außenminister bekommt; wenn
Erziehung, Wirtschaftsförderung, Raumplanung, Forschung komplett voneinander
abgekoppelt werden - dann hat diese "Föderalisierung" den Zentralstaat von
innen so weit ausgehöhlt, bis nurmehr eine leere Hülle übrigblieb.

Die Geschichte Belgiens war seit der Staatsgründung im Jahr 1830 von Spott
und Ironie begleitet. Marx, im Brüsseler Exil, sah in der Auferstehung der
katholisch-habsburgischen Niederlande die erste Staatsbildung durch
kapitalistische Kräfte. In der Tat wuchs im Zusammenspiel der heute noch
mächtigen Aktiengesellschaft "Société Génerale", einiger frankophoner
Industriekapitäne, der Kohlegruben des Hennegau, des Stahlreviers Lüttich
und des Seehafens Antwerpen ein Musterland der industriellen Moderne heran.
Der Name des Staates wurde von Cäsars "Gallischem Krieg" entlehnt. Und den
Monarchen bestellte man, damit das Land auf britischen Wunsch keine
französische Dépendance werde, aus dem anglophilen Geschlecht der
Sachsen-Coburg - wie aus dem Versandkatalog.

Es war ein kleiner Kreis reicher Kulturfranzosen, die sich nach Napoleons
Hegemonie nicht in den zentralistischen Niederlanden wiederfanden und
Belgien als lukratives Kunstprodukt erschufen. Dass im Land die Bevölkerung
mehrheitlich ein ländliches Niederländisch sprach, wurde in Industrie und
Klerus, Militär und Schule als folkloristisches Element abgetan, das bald
verschwinden würde. Brüssel, aber auch das Brabanter Umland oder
westflämische Gebiete rund um Moescroen büßten so mit der Zeit ihre Sprache
zugunsten des Normfranzösisch ein. Dass die restlichen Flamen sich dennoch
kulturell behauptet haben, wurde der Schlüssel zur staatlichen Spaltung.

Die einträgliche Scharnierstellung zwischen französischer und deutscher
Großmacht, bereichert noch um die gewaltigen Profite aus dem blutigen
Kolonialreich Kongo, hatte Belgien zwar gedeihen lassen, daran änderten auch
die Verluste der beiden Weltkriege nichts, in denen die Deutschen den
kleineren Nachbarn schwer verheerten. Weil im Ersten Weltkrieg flämische
Bauernsoldaten aber die Befehle des rein frankophonen Offizierskorps nicht
verstanden, kam es zur "Vlaamse Beweging", die bei Veteranentreffen und
Schulungen, mit Parteien und Vereinen das Recht auf Gerichtsbarkeit, höhere
Schule und Parlament in niederländischer Sprache forderte. Anders als in
Resteuropa geriet die Revolte von 1968 dabei zur beinahe gewaltsamen
Auseinandersetzung gegen die Französisierung der Universität Löwen. Weil die
Belgier jedoch ihre Dispute nicht mit Gewalt lösen wollten, kam es zur
Sprachteilung: in Kasernen und Bibliotheken, Kindergärten und
Fernsehsendern. Einzig das Königshaus und die Spitzenpolitiker wurden im
Prinzip als zweisprachige Institutionen über die Grenze beibehalten.

Brüssel, eine flämische Stadt mit französischer Sprachmehrheit und einer
herrschenden Elite aus englischsprachigen Euro- und Natokraten, bekam einen
Sonderstatus. Die Sprachgrenze entstand dabei erst spät; das heutige
Flandern ist ein reines Verwaltungsprodukt, denn ursprünglich reichten die
Kerngebiete Belgiens - Brabant, Hennegau, Limburg, das Bistum Lüttich, sogar
die historische Grafschaft Flandern, von der Frankreich einen gehörigen
Happen annektierte - über alle linguistischen Trennlinien hinweg. Nach der
Krise von Stahl und Kohle und dem Wirtschaftsboom flämischer Kleinbetriebe
alimentiert die flämische Mehrheit von knapp sechzig Prozent über die
gemeinsamen Renten- und Sozialkassen eine frankophone Minderheit.

Sire, Belgier gibt es nicht

Die Flamen wollen ihren Wählern Geld sparen und auch Sozial- und Rentenkasse
trennen; die Wallonen wollen weiter kassieren und verkaufen ihre Haut so
teuer wie möglich, gerade weil ihre Region aus eigener Kraft gar nicht
lebensfähig ist. Während wallonische Politiker kein ausreichendes
Niederländisch sprechen und ihre flämischen Widerparte nicht mehr
französisch parlieren mögen, muss man sich über die soundsovielste
Staatsreform jetzt zuweilen gar auf Englisch unterhalten. Der
sprichwörtliche Abgesang auf die nationale Gemeinsamkeit datiert aber
bereits auf das Jahr 1912, da der wallonische Sozialist Jules Destrée seinem
König die Worte "Sire, il ny a pas des Belges!" ins Stammbuch schrieb. Und
es bleibt nur eine Frage der Zeit, bis es heißt: Il ny pas de Belgique.

Der landestypische Kompromiss, der bei den Verhandlungen notgedrungen und
bezeichnenderweise unter Federführung des abgewählten Premiers Guy
Verhofstad erzielt werden wird, dürfte auch der letzte sein. Die flämischen
Eliten, vor allem in der Wirtschaft, sind nicht mehr willens, die Wallonen
weiter auszuhalten und dafür noch den kulturellen Hochmut der Frankophonen
zu erdulden. Zwar spricht sich nur eine Minderheit von weniger als zwanzig
Prozent der Belgier für eine sofortige Teilung aus, doch dürfte die Spaltung
auf mittlere Sicht gar nicht mehr zu verhindern sein, wenn auch noch die
letzten finanziellen Nabelschnüre gekappt werden. Während die nostalgische
Mode des Flaggens der belgischen Trikolore vorwiegend auf Wallonen
zurückgeht, wird die Abwicklung Belgiens auf die Fragen hinauslaufen, was
mit der Stadt Brüssel - wahrscheinlich als europäisches Washington D. C. -,
was mit dem Königshaus - vielleicht in Personalunion über die getrennten
Landesteile hinweg -, was vor allem mit der maroden Wallonie - Frankreich
will sie nicht, allein überleben kann sie nicht - geschehen soll.

Chronik einer künftigen Abwicklung

Flämische Politiker führen das Land Schritt für Schritt an diese Trennung
heran, und es hat den Anschein, als würden ihre wallonischen Widersacher das
immer noch nicht recht mitbekommen. Flamen wie der bekennende Autonomist
Bart De Wever, der Rechtskonservative Filip De Winter, aber auch führende
Christdemokraten und Liberale, die keinen faulen Kompromiss mehr mit ihren
wallonischen Parteifreunden erreichen wollen, rechnen Tag für Tag genüsslich
den jährlichen Milliardentransfer Richtung Wallonie vor, zählen beruhigend
die Liste blühender europäischer Kleinstaaten von Luxemburg über Irland und
Estland, Lettland bis Dänemark (alle kleiner als Flandern) herunter und
spotten in fließendem Französisch über die vermeintliche sprachliche
Beschränktheit ihrer wallonischen Noch-Landsleute.

Oder sie provozieren gezielt die Wallonen aufs Blut, wie es Yves Leterme -
früherer flämischer Ministerpräsident und starker Mann hinter der Krise -
soeben bühnenreif vormachte. Er verglich das frankophile Staatsfernsehen
RTBF mit dem berüchtigten "Radio Mille Collines", das während des Genozids
in Ruanda die Menschen zum Morden aufgerufen hatte. Während sich die
wallonische Elite noch über solche Bosheiten echauffiert, haben die Flamen
das Land wieder einen Zentimeter weiter gespalten. Ohnehin haben sich die
begabteren Politiker der jüngeren Generation längst für Karrieren auf
regionaler oder europäischer Ebene - also dort, wo die Kompetenzen sind -
entschieden. Wer möchte schon seine besten Jahre damit verbringen, ein
überlebtes Staatswesen abzuwickeln? Aus deutscher Perspektive zeigt der
Verfall Belgiens, dass eine Nation mit eingebautem Wohlstandstransfer nur
schwer überlebt. Es wird sich auch bei uns erweisen, ob kommende
Generationen von Wählern weiter großzügig in die neuen Bundesländer à fonds
perdu pumpen wollen oder sich für sparsamere Regionalmodelle entscheiden.

Dass der Nationalstaat permanent durch die Administration des europäischen
Vielvölkerreiches ausgehöhlt wird und kein Modell für die Ewigkeit ist,
zeigt ein kurzer Blick auf die Landkarte unseres Kontinents: Vor zwanzig
Jahren hätte niemand mit dem Entstehen von neuen Nationen wie Slowenien,
Lettland, Slowakei, Estland, Ukraine, Kroatien gerechnet. Dass dieser
Prozess nicht abgeschlossen ist, zeigt die noch laufende Staatswerdung von
Mazedonien, Montenegro, des Kosovo. Wer möchte darauf wetten, dass sich
nicht bald auch im Westen neue Staaten bilden: Katalonien, Schottland,
Südtirol ... Diese wohlhabenden Entitäten, denen der Nationalstaat des
vorigen Jahrhunderts zu eng wird, eint der Wille, nach dem Loswerden der
Zentralmacht und einer angepeilten "Unabhängigkeit" schnellstmöglich der EU
beizutreten. Also auf nach Brüssel! Wahrscheinlich werden die Politiker
kommender Nationen dort bald nicht mehr vom belgischen Außenminister
empfangen, sondern vom flämischen.

http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EBA3403E782AE4056ADF4B41BD301CADD~ATpl~Ecommon~Scontent.html



--
Proudly introducing the free speech concept to german/european politicians &
jurists. >.)

Freedom of speech - use it or lose it.

Autor: Ingo G Becker (2007-12-30 22:40:31)

Am Sun, 30 Dec 2007 22:23:19 +0100 schrieb Michael Laudahn eOpposition:

> Ein Nationalstaat zerfällt

Wofür braucht man die auch noch? Alles was nicht brauchbar ist zerfällt..

Autor: Ingo G Becker (2007-12-30 22:40:31)




Autor: Ingo G Becker (2007-12-30 22:40:31)

Am Sun, 30 Dec 2007 22:23:19 +0100 schrieb Michael Laudahn eOpposition:

> Ein Nationalstaat zerfällt

Wofür braucht man die auch noch? Alles was nicht brauchbar ist zerfällt..

Autor: Demokrat von Format (2007-12-30 22:52:00)

Am Sun, 30 Dec 2007 22:40:31 +0100 schrieb Ingo G Becker:

> Am Sun, 30 Dec 2007 22:23:19 +0100 schrieb Michael Laudahn eOpposition:
>
>> Ein Nationalstaat zerfällt
>
> Wofür braucht man die auch noch? Alles was nicht brauchbar ist zerfällt..

dann haben wir ja bei dir bald damit zu rechnen.
Familie braucht man auch nicht.

Aber sicherlich fängt es damit bei euch an, wenn die kleinste Zelle, die
Familie seit je her bei euch nie funktioniert hat, dann braucht man auch
keine anderen Gemeinschaften, oder doch? Ihr autonome Pest rottet euch
doch zusammen und sucht mit euren schwarzen Blöcken doch wieder die
Gemeinschaft, den gemeinsamen halt, die ihr anderseits als Staatsgebilde
bekämpft, ihr wollt Chaos. Wir werden dafür sorgen, dass dieses Land
nicht in den Linken Chaos zerfällt.
--
Demokratie braucht und lebt durch Opposition!
Deshalb ein klares "Ja" zur "Nationalen" Opposition!
Deshalb ein klares "Nein" zu den Linken A-Sozialen!
Rechts der Mitte befindet sich eine gähnende Leere
die ausgefüllt werden muss, damit Deutschland und
die Demokratie wieder eine Chance haben.
Lasst uns die "A-Sozialen" begraben, sie werden von
der neuen "LINKEN" abgelöst und sind dadurch überflüssig.

Autor: Wolfgang Kieckbusch (2007-12-30 14:49:49)

> Ihr autonome Pest rottet euch doch zusammen

Die anonyme Nazi-Ratte Sonja - Echomike - ANAL - . . .
zwischen Raucherhusten und Billig-Fusel . . . heute wieder auf
armselig.

Wolfgang Kieckbusch

Autor: tw@domain.invalid (Thorsten Weisert) (2007-12-31 00:35:49)

Ingo G Becker wrote:

> Am Sun, 30 Dec 2007 22:23:19 +0100 schrieb Michael Laudahn eOpposition:
>
> > Ein Nationalstaat zerfällt
>
> Wofür braucht man die auch noch? Alles was nicht brauchbar ist zerfällt..

Korrekt: Dann wird auch die BRD zerfallen. In Einzelstaaten wie Baden,
Franken, Hessen-Nassau, Oldenburg, Lothringen, Brandenburg, Posen,
Neuschwabenland, Sansibar.

tw


--
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieser Nachricht!

Autor: Ingo G Becker (2007-12-31 00:40:06)

Am Mon, 31 Dec 2007 00:35:49 +0100 schrieb Thorsten Weisert:

> Ingo G Becker wrote:
>
>> Am Sun, 30 Dec 2007 22:23:19 +0100 schrieb Michael Laudahn eOpposition:
>>
>>> Ein Nationalstaat zerfällt
>>
>> Wofür braucht man die auch noch? Alles was nicht brauchbar ist zerfällt..
>
> Korrekt: Dann wird auch die BRD zerfallen. In Einzelstaaten wie Baden,
> Franken, Hessen-Nassau, Oldenburg, Lothringen, Brandenburg, Posen,
> Neuschwabenland, Sansibar.
>

Und hoffentlich auch getrennt nach Rheinland und Westfalen!

Autor: "Rolf Mecker" (2007-12-31 03:24:59)

"Thorsten Weisert" schrieb im Newsbeitrag
news:1i9ylrx.1dsszt31s3hrxjN%tw@domain.invalid...
> Ingo G Becker wrote:
>
>> Am Sun, 30 Dec 2007 22:23:19 +0100 schrieb Michael Laudahn eOpposition:
>>
>> > Ein Nationalstaat zerfällt
>>
>> Wofür braucht man die auch noch? Alles was nicht brauchbar ist zerfällt..
>
> Korrekt: Dann wird auch die BRD zerfallen. In Einzelstaaten wie Baden,
> Franken, Hessen-Nassau, Oldenburg, Lothringen, Brandenburg, Posen,
> Neuschwabenland, Sansibar.
>
> tw
>
Das ist mein Reden schon längst. Jedes dieser Bundesländer ist auch ohne
Berlin regierbar. Wir sind kein Kaiserreich mehr. Niedersachsen, Württemberg
und Bayern müssen wieder souverän werden.

> --
> Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
> auf der Rückseite dieser Nachricht!