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Repost: Henry Morgenthau - Antifaschist, Demokrat und Humanist

Autor: jan perlwitz (2007-12-22 09:07:23)

Konsequenzen aus dem Holocaust; Der Morgenthau-Plan in neuerer Sicht

<<Muesste man das 20. Jahrhundert auf einen Nenner bringen, dann waere
es nicht verkehrt zu sagen: Es war ein Jahrhundert der Kriege und der
Vernichtung und eine Zeit, in der die Henker - ob Folterknecht oder
Schreibtischtaeter - meist ungeschoren davonkamen. Von wenigen
Ausnahmen abgesehen, scheiterten die Versuche, mit politischen oder
strafrechtlichen Mitteln auf Kriegsverbrechen, Voelkermord und, wie es
in der Nuernberger Anklageschrift hiess, <crimes against humanity> zu
reagieren.>>

Mit diesen Saetzen beginnt der Hamburger Politologe Bernd Greiner
seine Untersuchung ueber den sogenannten Morgenthau-Plan. Und Greiner
laesstkeinen Zweifel, dass er seinen Initiator, den amerikanischen
Finanzminister Henry Morgenthau Jr., einer grundlegend neuen Bewertung
unterzieht: Radikaldemokrat, Wirtschaftsreformer und Antifaschist, der
mit den Mitteln der Diplomatie und der Justiz den Nazi-Verbrechen
begegnen wollte - so lautet Greiners Charakterisierung des
umstrittenen Politikers.

Zerrbild des Raechers

Noch immer hat sich in der Nachkriegsgeschichtsschreibung am
verzerrten Bild Henry Morgenthaus nur wenig geaendert. Hass und Rache
von alttestamentlichem Charakter spraechen aus diesem Plan, hatte
bereits Propagandaminister Goebbels im September 1944 lauthals
verkuendet - kurz nach der Unterzeichnung des Morgenthau-Plans durch
den amerikanischen Praesidenten Roosevelt. Nicht ohne Erfolg, denn bis
heute gilt Morgenthau in der Bundesrepublik meist als Unperson und als
juedischer Racheengel. Ende der 70er Jahre schrieb der Historiker
Friedrich Jerchow, Morgenthaus Plan einer deutschen
Nachkriegsgesellschaft sei der Barbarei nationalsozialistischer
Verbrechen kaum nachgestanden - Deutschland ein Land auf der Stufe
eines Agrarstaates, ohne eigene Industrie und ohne Militaer, waeren
seine Vorstellungen Wirklichkeit geworden.

Nach drei Jahren Forschungsarbeit und mehreren Studienaufenthalten in
den USA kommt Greiner, Mitarbeiter am Hamburger Institut fuer
Sozialforschung, zu einem anderen Morgenthau-Bild. Als erster
deutscher Sozialwissenschafter hat Greiner Morgenthaus Handakten
eingesehen, seine ueber 900 Baende umfassenden T agebuecher
ausgewertet, ebenso zahlreiche Untersuchungen und Protokolle der
amerikanischen Regierung. Greiners ueberzeugende These: Fuer
Morgenthaus Handeln war das Wissen um die Ermordung der europaeischen
Juden entscheidend. <<Ohne Ruecksicht auf die eigene Person>>, so
Greiner, <<unter Absehung alle karrierepolitischen Interessen wollte
er die Verbrechen in den Vernichtungslagern an die Oeffentlichkeit
bringen.>>

Erinnerung an den Armeniermord

Henry Morgenthau wurde 1891 in New York geboren und stammte aus einer
wohlhabenden deutsch-juedischen Familie. Sein Vater war Bankier und
Makler, bevor er in der Demokratischen Partei politisch aktiv wurde.
Morgenthau studierte Landwirtschaft, war Doktor der hebraeischen
Literatur und der humanistischen Wissenschaften. Politische Ambitionen
hatte er keine, bis ihn Praesident Roosevelt 1934 zum Finanzminister
berief.

In Fachkreisen und an der Wall Street galt Morgenthau zunaechst
keineswegs als ausgewiesener Finanzexperte. Das heisst jedoch nicht,
dass er sein Amt voraussetzungslos ausgeuebt haette. Sein Vater, Henry
Morgenthau Sr., war im Ersten Weltkrieg Botschafter der USA in der
Tuerkei und wurde so Augenzeuge des Voelkermords an den Armeniern. Er
versuchte damals nicht nur, die Weltoeffentlichkeit auf diesen Genozid
aufmerksam zu machen, er hielt es fuer seine Pflicht, die Schuldigen
zur Verantwortung zu ziehen. Beim jungen Morgenthau hat das einen
bleibenden Eindruck hinterlassen: erstens die Erfahrung des
Massenmords, zweitens die politische Intervention seines Vaters und
drittens schliesslich die Tatsache, dass trotz diesen
Bemuehungen die Taeter straffrei davonkamen.

Entwaffnung eines gefaehrlichen Staats

Als Finanzminister kontrollierte Morgenthau die amerikanischen
Ausfuhrbewilligungen. Seine Kenntnisse ueber die deutsch-
amerikanischen Geschaeftsbeziehungen waren sehr detailliert und
erlaubten ihm erste Einblicke in das Innenleben des NS-Staates, wie
Greiner anhand der
Dokumente nachweist. In der Investitionspolitik und den
ruestungspolitischen Interessen grosser deutscher Konzerne kannte er
sich von Amts wegen gut aus. Daher sah Morgenthau bereits Mitte der
30er Jahre im Dritten Reich eine Gefaehrdung des Weltfriedens. Er war
der Auffassung, Hitlers Expansionspolitik stehe in der Kontinuitaet
eines aggressiven deutschen Nationalcharakters. Die symbiotische
Verzahnung von NS-Partei und Wirtschaftselite war dabei grundlegend
fuer sein Bild vom Nationalsozialismus.

In der Tat sah das Memorandum einschneidende Regelungen fuer die
Nachkriegszeit vor: die Aufteilung Deutschlands in einen Nord- und
einen Suedstaat, beide autonom und auf foederativer Grundlage. Dazu
kamen erhebliche Gebietsabtretungen: im Westen an Frankreich und im
Osten an Polen und die Sowjetunion. Mit den Russen war darueber hinaus
eine enge Kooperation geplant, um so einen raschen Rueckzug der
amerikanischen Truppen aus Europa zu ermoeglichen. Ausserdem sollten
deutsche Zwangsarbeiter im Ausland Kriegsschaeden beseitigen.
Schliesslich forderte Morgenthau eine Bodenreform zugunsten kleinerer
und mittlerer landwirtschaftlicher Betriebe, nicht jedoch die
Rueckverwandlung Deutschlands in einen Agrarstaat. Zentral blieb die
voellige Entwaffnung der Streitkraefte, um Deutschland als
potentiellen Aggressor ein fuer allemal unschaedlich zu machen.

Greiner zeigt, dass sich Morgenthau in Fragen der Entnazifizierung
gegen die <<Outlaw>>-Theorie stellte, nach der nur die kriminellen
Eliten, also die Fuehrer und Funktionaere des Regimes und der NSDAP,
Verantwortung fuer die Verbrechen trugen. Morgenthau sah die
Schuldigen vielmehr in den Reihen der Militaers, in der Buerokratie,
der Nazi-Partei und in der Industrie, nicht zuletzt in der
Zwangsgemeinschaft der Halbverstrickten, Mitlaeufer und Angepassten.
Seine Vorschlaege zielten daher auf eine Politik der vier grossen
<<D>>, und die hiessen: Demilitarisierung und Denazifizierung,
Dekartellisierung und Demokratisierung. <<Wuerde dieses Programm nicht
radikal durchgefuehrt, haette dies unabsehbare Folgen. Diese Burschen
sind ja so schlau und solche Teufel. Bevor man sichs versieht, haben
sie wieder ein Heer, das marschiert>>, schrieb Morgenthau in sein
Tagebuch und formulierte weiter: <<Die Loesung scheint schrecklich,
unmenschlich grausam zu sein. Wir haben den Krieg nicht gewollt. Wir
haben nicht Millionen Menschen in die Gaskammern gejagt.>>

Ein Mittel interner Provokation

Morgenthaus Deutschlandplan erwuchs gerade aus dem Wissen um den
Holocaust. Bereits Ende 1942 besass Morgenthau zuverlaessige Berichte
ueber die Todesfabriken in Auschwitz und anderswo. Insofern komme
Morgenthaus Plan einer <<politischen Notbremse>> gleich, schreibt der
Autor. Morgenthau wollte damit seine politischen Gegner in der
Administration Roosevelt, die
zu weitgehenden Konzessionen gegenueber Nazi-Deutschland bereit waren,
aus der Reserve locken - wohl wissend, dass seine Neuordnungsplaene
fuer Nachkriegsdeutschland bei ihnen auf massiven Widerstand stossen
mussten: <<Jetzt ist noch nicht die Zeit der Kompromisse>>, schaerfte
er seinen Mitarbeitern ein und gab die Losung aus: <<Let someone else
water it down. >> Morgenthaus Gegner in der amerikanischen Regierung
machten selbst vor antisemitischen Beschimpfungen nicht halt und
nannten ihn einen <<amerikanischen Himmler>>. Der oeffentliche Druck
auf den Praesidenten wuchs, Roosevelt fuerchtete um seine Bestaetigung
bei den anstehenden Praesidentschaftswahlen und zog seine Unterschrift
zurueck. So kam der <<Morgenthau-Plan>> zu Fall - ein Memorandum, bei
dem es sich laut Greiner zunaechst um vorlaeufige Ueberlegungen
handelte, bestimmt zur Diskussion im kleinen Kreis, um auf die Nazi-
Verbrechen hinzuweisen und alle Verantwortlichen zur Rechenschaft
ziehen zu koennen.

In der Bundesrepublik ist dieser Kontext noch kaum beachtet worden.
Bisher gab es lediglich eine einzige groessere Morgenthau-Untersuchung
- eine 390 Seiten umfassende Monographie von Kurt Keppler mit dem
verklaerenden Titel <<Tod ueber Deutschland>>. Dagegen steht die
Erinnerung an einen engagierten Politiker, dessen Erkenntnis schlicht
und einfach lautete:
Voelkermord und Aggressionskrieg duerfen nicht ungesuehnt bleiben.
Darueber wollte Morgenthau einen politischen Streit vom Zaune brechen,
darauf hatte er all sein intellektuelles Bemuehen gerichtet: Es gibt
keine Normalitaet im Schatten der Vernichtung."

Bernd Greiner: Die Morgenthau-Legende. Zur Geschichte eines
umstrittenen
Plans. Hamburger Edition, Hamburg 1995. 441 S. (Neue Zuercher Zeitung,
1.7.1995)

Autor: "x.x." (2007-12-22 19:31:47)

Der hirnlose jan perlwitz übergab sich und kotzte aus:

Müll...

Du hast vergessen, daß der Jude Morgenthau auch Antimensch war!
--
Von Gesocks wie dir "Nazi" genannt zu werden, ist eine Ehre.
Ich danke dir.

Autor: "x.x." (2007-12-22 19:31:47)




Autor: "x.x." (2007-12-22 19:31:47)

Der hirnlose jan perlwitz übergab sich und kotzte aus:

Müll...

Du hast vergessen, daß der Jude Morgenthau auch Antimensch war!
--
Von Gesocks wie dir "Nazi" genannt zu werden, ist eine Ehre.
Ich danke dir.