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Widerlegung des Antizionismus 25

Autor: m.blumentritt@cl-hh.comlink.de (Martin Blumentritt) (2007-06-25 00:00:00)

Behauptungen und Tatsachen - Die Medien

By Mitchell G. Bard

Behauptungen

1. "Die Medienberichterstattung über Israel entspricht der
weltpolitischen Bedeutung des israelischen Staates."

2. "Israel wird in den Medien so große Aufmerksamkeit zuteil,
weil es das einzige Land im Nahen Osten ist, dessen
Angelegenheiten die amerikanischen Interessen berühren."

3. "Die westliche Medienberichterstattung über die arabische
Welt hält der Berichterstattung über Israel die Waage."

4. "Die Medienberichterstattung über die arabische Welt ist
objektiv."

5. "Den Journalisten, die über den Nahen Osten berichten, geht
es um die Wahrheit."

6. "Die Medien sehen Israel wegen seiner Freundschaft mit den
USA viel nach."

7. "Israel verdient die Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, im
Grunde gar nicht, weil es kein Verbündeter der USA ist."

8. "Israel wird in der amerikanischen Medienberichterstattung
begünstigt, weil die amerikanischen Juden die Medien
kontrollieren und unverhältnismäßig großen politischen
Einfluss haben."

9. "Die arabischen Politiker erzählen den westlichen
Journalisten das Gleiche, was sie ihrem eigenen Volk sagen."

10. "Die Journalisten kennen sich in der Geschichte des Nahen
Ostens aus und können die aktuellen Ereignisse deshalb im
richtigen Zusammenhang darstellen."

11. "Die Intifada leistete passiven Widerstand. Schlimmstenfalls
warfen ein paar Kinder mit Steinen auf schwer bewaffnete
Soldaten."

12. "Die Medienberichterstattung über die Intifada war fair und
ausgewogen."

13. "Die Israelis können die Wahrheit der Fotos, die zeigen, wie
israelische Soldaten Palästinenser misshandeln, nicht
leugnen."

1. Behauptung

"Die Medienberichterstattung über Israel entspricht der
weltpolitischen Bedeutung des israelischen Staates."

Tatsache

Die Aufmerksamkeit, die die Medien Israel schenken, ist kaum mit der
Bedeutung des Landes für die Weltöffentlichkeit oder auch nur für die
nationalen Interessen der USA zu rechtfertigen. Wie kommt es, dass
ein Land von der Größe New Jerseys immer wieder weit wichtigere
Länder wie Russland, China und Großbritannien aus den Schlagzeilen
verdrängt?

Israel genießt wahrscheinlich den höchsten Berühmtheitsgrad der Welt.
Die Amerikaner wissen mehr über die israelische Politik als über die
irgendeines anderen Staates. Zum Beispiel kennen sie die meisten
israelischen Politiker besser als die ihrer Nachbarländer Kanada und
Mexiko. Hinzu kommt, dass ein hoher Prozentsatz der Amerikaner
genauestens über den arabisch-israelischen Konflikt informiert ist.

Einer der Gründe dafür ist die unverhältnismäßige Beachtung, die dem
Land in der Medienberichterstattung zuteil wird. Die amerikanischen
Nachrichtensender zum Beispiel beschäftigen in keinem Land außer in
Großbritannien so viele Korrespondenten wie in Israel.

2. Behauptung

"Israel wird in den Medien so große Aufmerksamkeit zuteil, weil es
das einzige Land im Nahen Osten ist, dessen Angelegenheiten die
amerikanischen Interessen berühren."

Tatsache

Der Nahe Osten ist für die Vereinigten Staaten (und die gesamte
westliche Welt) vor allem wegen seiner Ölressourcen wichtig. Alles,
was die Erdölförderung und die Versorgung der Welt mit Öl gefährden
könnte, ist für die USA von allerhöchster Bedeutung. Darüber hinaus
ist den Vereinigten Staaten daran gelegen, ihnen wohlgesonnene
Regimes in dieser Region zu unterstützen. Grund dafür sind die
ständigen Unruhen, von denen der Nahe Osten immer wieder heimgesucht
wird und die mittelbar oder unmittelbar amerikanische Interessen
berühren. So machten etwa bestimmte Ereignisse in Ländern wie
Jordanien, dem Libanon und dem Iran eine Intervention amerikanischer
Truppen nötig, und es gibt wenig, was die amerikanische
Öffentlichkeit so stark auf den Plan ruft wie ein paar Landsleute,
die sich irgendwo im Ausland in Lebensgefahr befinden. Die
Vereinigten Staaten waren bisher in jeden der arabisch-israelischen
Kriege involviert und führten darüber hinaus mehrere eigene
militärische Aktionen in der Region durch, die nichts mit Israel zu
tun hatten; am bekanntesten war wohl der Golfkrieg mit dem Irak.

Andererseits sind die Amerikaner nicht generell an den Bruderkriegen
von Völkern in fernen Ländern interessiert, jedenfalls so lange diese
Kriege scheinbar keine Auswirkungen auf amerikanische Interessen
haben. So war es jedenfalls in Afrika, Lateinamerika und sogar auf
dem Balkan. Auch die innerarabischen Kriege haben längst nicht die
gleiche Aufmerksamkeit erregt wie die Konflikte zwischen Israel und
den arabischen Staaten. Der israelisch-palästinensische Konflikt -
zwei Völker im Streit um ein Land - nimmt nicht zuletzt deshalb eine
ganz besondere Stellung ein, weil er sich im Heiligen Land abspielt.

Eine weitere Erklärung für die unverhältnismäßig starke Beachtung,
die Israel in der Medienberichterstattung im Verhältnis zu den
arabischen Ländern findet, ist, dass nur wenige Nahostkorrespondenten
den geschichtlichen Hintergrund der Region kennen oder auch nur die
Landessprachen sprechen. Die weitgehend westliche Kultur in Israel
ist ihnen sehr viel vertrauter als die fremden muslimischen
Gesellschaften.

"Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, in dem ein
Auslandskorrespondent eine Freundin finden kann." S. Abdallah
Schleifer 1

3. Behauptung

"Die westliche Medienberichterstattung über die arabische Welt hält
der Berichterstattung über Israel die Waage."

Tatsache

Die arabisch-islamische Welt gilt in Journalistenkreisen als "Gürtel
des Schweigens".2 Die Medien in diesen Ländern stehen unter der
Kontrolle totalitärer Regimes; Israel dagegen ist eine Demokratie mit
einer der freiesten Presselandschaften der Welt.

Die Schwierigkeiten bei der Informationsbeschaffung wird häufig als
Entschuldigung für die spärliche Berichterstattung über die Region
angeführt. So war es zum Beispiel im iranisch-irakischen Krieg, einer
der blutigsten Auseinandersetzungen in den letzten 40 Jahren. Doch
angesichts der sonstigen Findigkeit der amerikanischen Journalisten
ist es erschreckend, dass selbst über die autoritärsten Regimes kaum
etwas in der Presse zu vernehmen ist.

4. Behauptung

"Die Medienberichterstattung
über die Intifada ist objektiv."

Tatsache

Wenn Journalisten ausnahmsweise einmal die Möglichkeit haben, einen
Blick hinter den Schleier des Geheimnisses zu werfen, so ist der
Preis für diesen Kontakt zu Diktatoren und Terroristen meist hoch, ja
in manchen Fällen werden die Reporter sogar eingeschüchtert oder
erpresst. So wurden zum Beispiel in den Achtzigerjahren im Libanon
Journalisten im Gegenzug für Interviews und gewährten Schutz zu
willfährigen Werkzeugen der PLO - und das gilt keineswegs nur für
westliche Journalisten. Während der "Al-Aksa-Intifada" wurden
israelische Journalisten, die Kontakt zur palästinensischen
Autonomiebehörde aufnehmen wollten, gewarnt, und manche erhielten
Drohanrufe, nachdem sie Artikel veröffentlicht hatten, in denen sie
das Vorgehen der Autonomiebehörde kritisierten.3

Als Reese Schonfeld, der erste Präsident von CNN, gebeten wurde, sich
zu der Voreingenommenheit gegenüber Israel zu äußern, die der Sender
nach Ansicht vieler Zuschauer erkennen lässt, sagte er: "Die
Journalisten nehmen in ihrer Berichterstattung große Rücksicht auf
die arabische Empfindlichkeit" - will heißen, dass die
Berichterstattung gefärbt ist, weil CNN seine guten Beziehungen zu
arabischen Welt nicht aufs Spiel setzen will.4

In arabischen Ländern werden ausländische Journalisten stets
eskortiert, damit sie auch wirklich nur zu sehen bekommen, was sie
sehen sollen; oder sie werden beschattet. Die Einheimischen werden
von Sicherheitskräften - manchmal direkt, manchmal auf subtilere
Weise - aufgefordert, sich in ihren Äußerungen gegenüber den
ausländischen Gästen zurückzuhalten.

In der Berichterstattung über die palästinensische Autonomiebehörde
verlassen sich die westlichen Medien in der Regel auf
palästinensische Assistenten, die die Korrespondenten in die
besetzten Gebiete begleiten. Häufig stellt die Behörde ihnen sogar
eigenes Filmmaterial zur Verfügung, das dann weltweit gesendet wird.
"Nach meiner Einschätzung", schrieb Ehud YaÆari, "werden 95 Prozent
der Fernsehbilder, die allabendlich über Satellit im Ausland und im
israelischen Fernsehen zu sehen sind, von palästinensischen
Kamerateams geliefert. Die beiden wichtigsten Agenturen auf dem
Fotoarchivmarkt, APTN und Reuters TV, unterhalten ein ganzes Netz von
palästinensischen Verbindungsleuten in den besetzten Gebieten, die
ihnen unmittelbar nach bestimmten Zwischenfällen sofort Filmmaterial
zur Verfügung stellen. Diese Kamerateams stehen emotional und
politisch ganz offensichtlich auf der Seite der Intifada; im
günstigsten Fall wagen sie es nicht, irgendetwas zu filmen, das die
Autonomiebehörde in Verlegenheit bringen könnte. So kommt es, dass
die Kameras stets auf die israelischen Soldaten und nicht auf die
palästinensischen Heckenschützen gerichtet sind und eine sehr
einseitige Momentaufnahme von den Ereignissen vor Ort liefern."5 Ein
besonders grauenhafter Zwischenfall ereignete sich im Oktober 2000,
als zwei israelische Reservisten in Ramallah von einem
palästinensischen Mob gelyncht wurden. Nach Aussagen von Reportern,
die am Schauplatz anwesend waren, versuchte die palästinensische
Polizei die ausländischen Journalisten am Filmen des Geschehens zu
hindern. Einem italienischen Fernsehteam gelang es dennoch, die
Szenen wenigstens ausschnittweise aufzunehmen, und die schockierenden
Bilder gingen zur besten Sendezeit um die ganze Welt. Eine andere
italienische Nachrichtenagentur setzte daraufhin eine Anzeige in die
wichtigste Zeitung der palästinensischen Autonomiebehörde, Al
Hayat-Al-Jadidah, in der sie sich ausdrücklich von den Aufnahmen
distanzierte:

"Liebe palästinensische Freunde. Wir gratulieren euch und halten es
für unsere Pflicht, euch über die Ereignisse vom 12. Oktober in
Ramallah ins Bild zu setzen. Die Aufnahmen, die bei diesem
Zwischenfall entstanden, stammen von einem mit uns konkurrierenden
privaten Fernsehsender (und nicht vom offiziellen italienischen
Fernsehsender RTI). Die von diesem privaten Sender aufgenommenen
Bilder wurden daraufhin im israelischen Fernsehen gezeigt, und so
entstand in der Öffentlichkeit der Eindruck, als ob die Bilder von
uns (RTI) stammten. Wir möchten euch allen versichern, dass sich das
Ganze nicht so abspielte. Wir haben uns stets an die journalistischen
Vorschriften der palästinensischen Autonomiebehörde für die
(journalistische) Arbeit in Palästina gehalten und werden dies auch
weiterhin tun; ihr kennt uns und wisst, dass wir glaubwürdig
sind.

Wir danken euch für euer Vertrauen. Ihr sollt wissen, dass dies nicht
unsere Art ist (und dass wir eben nicht wie die anderen Fernsehsender
arbeiten). Wir tun so etwas nicht und werden es nie tun.áGottes Segen
mit euch." Unterzeichnet Ricardo Christiano, Vertreter des
offiziellen italienischen Fernsehens in Palästina 6

Wenn eine Nachrichtenagentur von der pro-palästinensischen Linie
abweicht, gerät sie sofort unter Beschuss. Im November 2000 zum
Beispiel warf der palästinensische Journalistenverband Associated
Press vor, ein falsches Bild von der "Al-Aksa-Intifada" zu
vermitteln. Der Verband bezeichnete die Berichterstattung von AP als
bewusstes Verbrechen am palästinensischen Volk und sagte, sie
ergreife Partei für die israelische Position. Er drohte, Maßnahmen
gegen die Redakteure von AP und gegen die AP-Büros im
Verwaltungsgebiet der palästinensischen Autonomiebehörde zu
ergreifen, wenn die Agentur weiterhin die palästinensischen
Interessen schädige.7

5. Behauptung

"Den Journalisten,
die über den Nahen Osten berichten, geht es um die Wahrheit."

Tatsache

Es wird niemanden überraschen, wenn er hört, dass die Journalisten im
Nahen Osten eines mit ihren Kollegen zu Hause gemein haben: das
Interesse an der Sensationsmache. Das anschaulichste Beispiel dafür
sind die Fernsehreporter, deren Medium, das Fernsehen, in dem der
eigentliche Gehalt einer Nachricht fast zwangsläufig hinter ihrer
visuellen Präsentation zurücksteht, eine oberflächliche
Berichterstattung fördert. So antwortete der NBC-Korrespondent in
Israel auf die Frage, warum die Reporter sich dazu hergäben, über
palästinensische Demonstrationen in der Westbank zu berichten, die,
wie sie genau wussten, inszeniert waren: "Wir spielen mit, weil wir
die Bilder brauchen."8 Von Ländern wie Syrien, Saudi-Arabien, Iran
oder Libyen erhalten die Sender keine Bilder, die für den
Fernsehzuschauer oder Zeitungsleser von Interesse wären.

"Wir fingen an, die Demonstranten zu filmen. Plötzlich kam ein
Lastwagen mit Fatah-Kämpfern angerast. Sie brüllten Befehle und
verteilten sogar Molotowcocktails unter den Demonstranten. Wir
filmten weiter, doch diese Bilder wird nie jemand zu sehen bekommen.
In wenigen Augenblicken hatten die Jugendlichen uns umzingelt,
bedrohten uns und brachten uns auf die Polizeistation. Dort wiesen
wir uns aus, wurden aber trotzdem gezwungen, das belastende
Filmmaterial zu löschen. Die palästinensische Polizei bekam die
Situation unter Kontrolle, aber unsere Bilder wurden zensiert. Jetzt
haben wir den Beweis, dass diese Unruhen nicht spontan ausbrechen.
Sämtliche Befehle kamen von der palästinensischen Hierarchie." Jean
Pierre Martin 9

6. Behauptung

"Die Medien sehen Israel wegen seiner Freundschaft mit den USA viel
nach."

Tatsache

Die Amerikaner neigen dazu, die Juden mit einem anderen Maßstab zu
messen, sie erwarten sehr viel mehr von ihnen als von allen anderen
Völkern. Das liegt zum Teil an den eigenen hohen Erwartungen der
Juden, an ihrem Anspruch, "ein Licht für die Völker" zu sein; so wird
augenblicklich registriert, wenn die Israelis sich etwas zu Schulden
kommen lassen. Die Araber hingegen werden an einem sehr viel
niedrigeren Maßstab gemessen. Als Israel zum Beispiel vier
Palästinenser auswies, war diese Maßnahme sofort Schlagzeilen wert,
doch dass Kuwait Hunderttausende auswies, nahm die Presse überhaupt
nicht zur Kenntnis. Und der Tod eines einzigen Palästinensers in der
Westbank löste in den Medien mehr Berichte aus als der Mord an
Tausenden von Arabern in Algerien. Ob zu Recht oder zu Unrecht,
Öffentlichkeit und Presse sind offenbar der Ansicht, dass die Juden
sich anders verhalten sollen als der Rest der Menschheit.

7. Behauptung

"Israel verdient die Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, im Grunde
nicht, weil es kein Verbündeter der USA ist."

Tatsache

Israel hat eine ganz besondere Beziehung zu den Vereinigten Staaten,
die in den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückreicht. Damals billigte
der amerikanische Kongress die Schaffung eines jüdischen Staats in
Palästina. Harry Truman gilt als Geburtshelfer des neuen Staates, und
die wirtschaftliche, diplomatische und militärische Unterstützung der
Vereinigten Staaten war zu allen Zeiten entscheidend für Israels
Entwicklung und berleben. Die Amerikaner fühlen sich den Israelis
verwandt, weil sie die gleichen Werte haben - Demokratie,
Freiheitsliebe, Wertschätzung von Bildung -, und dies hat zu einer
Vielzahl von Verbindungen auf persönlicher und politischer Ebene
geführt. Die amerikanische Öffentlichkeit ist fasziniert vom "Volk
des Buches", das jahrhundertelang von Land zu Land zog, überall
verfolgt wurde, endlich in seine Heimat zurückkehrte, dort eine
blühende Hightech-Gesellschaft schuf, gegen haushoch überlegene
Feinde kämpfte und sie besiegte. Die Amerikaner bewundern den
Pioniergeist der Juden, die sich als Erste in Palästina niederließen
und dort Kibbuzim gründeten, weil sie darin ihre eigene Geschichte
wieder erkennen. Und sie haben ein Herz für die Schwachen - denn das
sind die Juden auch heute noch, obwohl Israel inzwischen zur
Militärmacht geworden ist. Mit wachsender militärischer Stärke wurde
Israel außerdem zu einem wichtigen Bündnispartner der USA und
erhielt, obwohl es nicht der NATO angehört, den besonderen Status
eines Verbündeten der USA (Major Non-NATO Ally).

8. Behauptung

"Israel wird in der amerikanischen Medienberichterstattung
begünstigt, weil die amerikanischen Juden die Medien kontrollieren
und unverhältnismäßig großen politischen Einfluss haben."

Tatsache

Wenn die Juden tatsächlich die Medien kontrollieren würden, würden
sie sich wohl kaum so oft über die antiisraelische Einstellung der
Presse beklagen. Es ist sicherlich richtig, dass die Aufmerksamkeit,
die Israel in der amerikanischen Presse zuteil wird, mit der Tatsache
in Zusammenhang steht, dass die Vereinigten Staaten den höchsten
jüdischen Bevölkerungsanteil der Welt haben und dass die
amerikanischen Juden sich sehr stark mit Israel identifizieren. Es
stimmt auch, dass eine große Zahl von Juden wichtige Positionen in
der Medienlandschaft haben (auch wenn sie keinesfalls die Presse
"kontrollieren", wie manche Antisemiten behaupten) und dass die
jüdische Bevölkerungsmehrheit sich auf große Medienzentren wie New
York und Los Angeles konzentriert, sodass es nicht überraschen kann,
wenn Israel häufig im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Politisch
besitzen die amerikanischen Juden beträchtliche Macht in den
Vereinigten Staaten, und sie nutzen diese Macht zu Gunsten einer
Politik, die die amerikanisch-israelischen Beziehungen vertieft; es
gibt jedoch keinen Hinweis darauf, dass sich daraus eine
Medienberichterstattung entwickelt hat, in der Israel bevorzugt wird.
Man könnte im Gegenteil sagen, dass pro-arabische Kräfte wie zum
Beispiel die Petrochemie ebenso großen oder sogar noch größeren
Einfluss auf die Medien haben und einen antiisraelischen Trend in der
Berichterstattung fördern.

9. Behauptung

"Die arabischen Politiker
erzählen den westlichen Journalisten das Gleiche, was sie ihrem eigenen
Volk sagen."

Tatsache

Arabische Politiker sagen in englischer Sprache häufig etwas ganz
anderes als in der arabischen. Ihre wahren Gefühle und Einstellungen
äußern sie nur in ihrer Muttersprache, vor ihren Wählern. Für die
Ohren der Weltöffentlichkeit bedienen sie sich einer moderaten
Wortwahl, und wenn sie in englischer Sprache vor einer westlichen
Hörerschaft sprechen, vertreten sie häufig völlig andere Ansichten
als in ihren Heimatländern. Die arabischen Propagandisten wissen seit
langem, wie sie ihrer Sache am besten dienen. Sie treten inzwischen
routinemäßig in amerikanischen Nachrichtensendungen auf und werden in
den Printmedien zitiert; in beiden machen sie den Eindruck
vernünftiger Menschen mit berechtigten Forderungen und Bedenken. Was
viele dieser Leute auf Arabisch sagen, ist jedoch oft weit weniger
gemäßigt und vernünftig. Da die Israelis in der Regel das Arabische
verstehen bzw. es leicht übersetzen können, kennen sie die wahre
Einstellung ihrer Feinde genau. Amerikaner und andere aber, die nur
Englisch sprechen, lassen sich leicht von der glänzenden Oberfläche
eines arabischen Propagandaspezialisten täuschen. Als Beispiel sei
hier Saeb Erekat, der palästinensische Unterhändler für den Frieden,
angeführt, der häufig in den westlichen Medien zitiert wird. Nach dem
grausamen Mord an zwei israelischen Jugendlichen am 9. Mai 2001 wurde
er um eine Stellungnahme gebeten. Die Washington Post druckte seine
Antwort in folgendem Zusammenhang: "Saeb Erekat, ein
palästinensischer Politiker, sagte auf einer Pressekonferenz in
englischer Sprache: ¢Der Mord an Zivilisten, palästinensischen wie
israelischen, ist ein Verbrechen.ï Diese Bemerkung wurde in den in
arabischer Sprache erscheinenden palästinensischen Medien nicht
veröffentlicht."10 Das Ungewöhnliche daran war, dass die Post eigens
darauf hinwies, dass Erekats Kommentar nicht in der palästinensischen
Presse erschien.

10. Behauptung

"Die Journalisten kennen sich in der Geschichte des Nahen Ostens aus
und können die aktuellen Ereignisse deshalb im richtigen Zusammenhang
darstellen."

Tatsache

Einer der Gründe für die Missverständnisse und Fehlinformationen über
den Nahostkonflikt und für die alles andere als objektive
Berichterstattung darüber in den Medien ist die Unwissenheit der
Journalisten. Nur wenige Reporter sprechen Iwrit oder Arabisch,
sodass sie die Originalquellen kaum oder gar nicht nutzen können.
Statt unabhängig zu berichten, käuen sie häufig einfach nur Artikel
wieder, die sie in englischsprachigen Veröffentlichungen der Region
gelesen haben. Wenn sie versuchen, bestimmte Ereignisse in einen
historischen Kontext einzuordnen, stellen sie Tatsachen falsch dar
und erzeugen so einen ungenauen oder gar falschen Eindruck.á So sagte
zum Beispiel Garrick Utley von CNN im Rahmen einer Sendereihe über
die Geschichte der heiligen Stätten in Jerusalem, dass die Juden
während der jordanischen Herrschaft über die Stadt von 1948 bis 1967
an der Westmauer beten durften.11 In Wirklichkeit durften die Juden
ihr höchstes Heiligtum damals nicht einmal betreten - eine wichtige
historische Tatsache, die Israels heutige Haltung in der
Jerusalemfrage verständlicher macht.

11. Behauptung

"Die Intifada leistete
passiven Widerstand. Schlimmstenfalls warfen ein paar Kinder mit Steinen
auf schwer bewaffnete Soldaten."

Tatsache

Die Intifada war von Anfang an eindeutig gewaltbereit. In den ersten
vier Jahren des Aufstands verzeichneten die israelischen
Verteidigungsstreitkräfte über 3600 Molotowcocktail- und 100
Handgranatenangriffe sowie 600 Anschläge mit Schusswaffen und
Sprengstoff. Die Gewalt richtete sich gleichermaßen gegen Soldaten
und Zivilisten. In dem genannten Zeitraum töteten die Palästinenser
in den besetzten Gebieten 16 israelische Zivilisten und elf Soldaten;
über 1400 israelische Zivilisten und 1700 israelische Soldaten wurden
verletzt. Zwischen 1997 und der Unterzeichnung der Oslo-Abkommen
kamen 90 Israelis bei bergriffen der Intifada durch Anschläge ums
Leben.12

Bei einem Besuch in Bethlehem im August 1988 wäre der amerikanische
Journalist Sidney Zion auf einer Taxifahrt beinahe durch einen
Steinwurf getötet worden. "Zum Glück hat der Stein mich verfehlt",
sagte er. "Ich sah ihn nicht kommen und wäre in der nächsten Sekunde
tot gewesen, wenn der Fahrer nur eine Idee schneller gefahren wäre.
Zum Glück saß niemand auf dem Beifahrerplatz, aber es war klar, dass
die Araber die Steine nicht einfach in die Luft geworfen hatten."

Zion, der seit über 20 Jahren als Berichterstatter im Nahen Osten
arbeitete, sagte, dass er auf Grund der amerikanischen Medienberichte
überzeugt war, dass "die Steinewerfer auf israelische Soldaten und
nicht auf Taxis gezielt hatten. Oder haben Sie im Fernsehen je etwas
anderes gesehen, in den Zeitungen je etwas anderes gelesen? Kinder
warfen mit Steinen auf Soldaten, das war alles. Es kam mir einfach
nicht in den Sinn, dass amerikanische Journalisten Nachrichten über
eine tödliche Gefahr unterdrückten. Erst später fand ich heraus, dass
das, was uns passiert war, keine Ausnahme darstellte", schrieb Zion.
"An jedem Tag, den Gott werden lässt, werden israelische Zivilisten
in der Westbank von diesen kleinen arabischen Teufelsbraten mit
Steinen bombardiert und kommen dabei zu Tode."13

12. Behauptung

"Die Medienberichterstattung über die Intifada war fair und
ausgewogen."

Tatsache

Die wahrheitsliebenderen Journalisten gaben zu, dass die
Berichterstattung über die Intifada einseitig war. Laut Steven
Emerson, einem damaligen CNN-Korrespondenten, akzeptierten
amerikanische Journalisten, dass die Palästinenser kontrollierten,
was sie filmten. Ein israelischer Kameramann, der für mehrere
amerikanische Fernsehgesellschaften arbeitete, sagte einmal zu
Emerson: "Wenn wir die Kamera auf die falschen Szenen richten, sind
wir geliefert." In anderen Fällen überließen die
Fernsehgesellschaften den Palästinensern Dutzende von Videokameras,
damit sie Streiks, Aufstände und Begräbnisse filmen konnten. "Wir
haben keinerlei Möglichkeit, die Authentizität des Filmmaterials zu
überprüfen, und wir können auch nicht verhindern, dass die Kameras
dazu gebraucht werden, eine Demonstration zu organisieren", schrieb
er.14

Obwohl nahezu ein Drittel aller im Jahr 1989 getöteten Palästinenser
von Arabern ermordet wurden, befassten sich nur zwölf der 150 in
diesem Jahr von den amerikanischen Fernseh- und
Rundfunkgesellschaften gesendeten Berichte über die Westbank mit
diesem innerpalästinensischen Krieg. "Während der politische Terror
der Palästinenser in der Westbank keine Schlagzeile wert ist",
schrieb Emerson, "werden pure Erfindungen über Grausamkeiten der
Israelis ungeprüft weitergegeben."

Anfang 1988 zum Beispiel wurde die Auslandspresse ins
El-Mokassed-Hospital in Jerusalem gerufen, um dort einen sterbenden
palästinensischen Jungen zu filmen. Sein palästinensischer Arzt
präsentierte ihn, angeschlossen an Schläuche und ein Beatmungsgerät,
und behauptete, das Kind sei von israelischen Soldaten rücksichtslos
zusammengeschlagen worden. Am 8. Februar 1988 eröffnete Peter
Jennings von ABC seinen Beitrag mit dem Satz, nach Aussage von
UN-Beobachtern hätten die Israelis "einen weiteren Palästinenser in
den besetzten Gebieten zu Tode geprügelt". NBC und CBS brachten
ähnlich reißerisch aufgemachte Berichte.

Doch die Geschichte stimmte nicht. Bei der Autopsie stellte sich
heraus, dass das Kind an einer Hirnblutung starb, nachdem es davor
über ein Jahr lang krank gewesen war. Insgesamt, so Emerson, hatten
sich die amerikanischen Fernseh- und Rundfunkgesellschaften "an einer
beispiellosen Irreführung über den Konflikt in der Westbank
mitschuldig gemacht".

Martin Fletcher, der NBC-Verantwortliche in Tel Aviv, gab zu, dass es
problematisch sei, im Zusammenhang mit der Intifada von fairer
Berichterstattung zu sprechen. Er räumte ein, dass die Palästinenser
die westlichen Medien manipulierten, indem sie sich als "David"
präsentierten, der sich dem israelischen "Goliath" stellte - eine
Metapher, die Fletcher selbst in einem Bericht von 1988 gebrauchte.

"Der ganze Aufstand war für die Medien inszeniert und wurde
zweifellos durch das Interesse der Medien in Gang gehalten", sagte
er. Fletcher gab offen zu, dass er Aufforderungen junger
Palästinenser, gewalttätige Angriffe gegen jüdische Bewohner der
Westbank zu filmen, nachgekommen sei.

"Es ist eine Sache der Manipulation der Medien. Die Frage dabei ist:
Wie weit spielen wir das Spiel mit? Es ist das Gleiche wie mit den
Fototerminen bei Bush oder Reagan. Wir spielen mit, weil wir die
Bilder brauchen."15

Fallstudie

Ein in der Washington Post erschienener Artikel über den
"Teufelskreis des Todes" in der Westbank enthielt ein Interview mit
Raed Karmi, einem Offizier der Fatah, der dominierenden Gruppierung
in Arafats Palästinensischer Befreiungsorganisation. Der Artikel
beginnt damit, wie Karmi hinausläuft, um sich an einem Scharmützel
mit israelischen Soldaten zu beteiligen, und sich ein M-16-Gewehr
greift. Was der Reporter zu erwähnen vergisst, ist, dass nach den
israelisch-palästinensischen Abkommen nur die palästinensische
Polizei bewaffnet sein darf. Der Artikel erweckt den Eindruck, dass
die Gewaltanwendung der Israelis und der Palästinenser in diesem
"Teufelskreis" gleichzusetzen sei, weil Karmi sagt, dass er aus Rache
für den Tod eines Palästinensers handle, den die Israelis wegen
geplanter Terroranschläge ermordet hätten. Karmi gibt zu, dass er an
der Entführung und "Hinrichtung" zweier Israelis beteiligt war, die
in einem Tulkarm-Restaurant zu Mittag gegessen hatten. Karmi wurde
zwar von der palästinensischen Autonomiebehörde verhaftet, aber
bereits nach vier Monaten wieder auf freien Fuß gesetzt. Danach
brachte er vier weitere Israelis um, darunter einen Mann in einem
Supermarkt und einen Autofahrer, den er aus dem Hinterhalt ermordete.
"Ich werde mit den Anschlägen auf Israelis weitermachen", sagte er
gegenüber der Post.16

13. Behauptung

"Die Israelis können die Wahrheit der Fotos, die zeigen, wie
israelische Soldaten Palästinenser misshandeln, nicht leugnen."

Tatsache

Ein Bild kann mehr sagen als tausend Worte, aber manchmal kann das
Bild und die Worte, mit denen es beschrieben wird, auch grob in die
Irre führen. Fotografen und Kameraleute sind ständig auf der Jagd
nach sensationellen Bildern, die dann nur allzu oft dokumentieren,
wie der grausame israelische Goliath den leidenden palästinensischen
David misshandelt, doch der Kontext ist häufig ein völlig anderer.

Ein klassisches Beispiel ist ein Foto, das Associated Press an
Presseorgane auf der ganzen Welt versandte. Das Foto wurde in der New
York Times abgedruckt 17 und erregte den Zorn der Öffentlichkeit,
weil es in der von AP mitgelieferten Bildunterschrift hieß: "Ein
israelischer Polizist und ein Palästinenser auf dem Tempelberg." Da
das Foto während der palästinensischen Unruhen nach dem umstrittenen
Besuch Ariel Sharons in der Al-Aksa-Moschee aufgenommen worden war,
schien es ein anschauliches Beispiel für die Brutalität der Israelis
zu sein. Später stellte sich heraus, dass die Bildunterschrift falsch
war und das Foto in Wirklichkeit einen Zwischenfall zeigte, der genau
den gegenteiligen Eindruck hervorgerufen hätte, wenn der Sachverhalt
korrekt wiedergegeben worden wäre.

Tatsächlich handelte es sich bei dem abgebildeten Opfer nicht um
einen Palästinenser, der von dem Israeli zusammengeschlagen worden
war. Das Bild zeigt vielmehr einen israelischen Polizisten, der dem
amerikanischen Studenten Tuvia Grossman zu Hilfe kommt. Grossman
hatte in einem Taxi gesessen, das von Palästinensern mit Steinen
beworfen worden war. Der junge Mann wurde aus dem Wagen gezerrt,
geschlagen und mit Messerstichen traktiert, hatte sich jedoch
losreißen können und war zu dem isralischen Polizisten geflüchtet.
Genau in diesem Augenblick hatte der Fotograf das Bild geschossen.

AP hatte also nicht nur das Opfer falsch bezeichnet, sondern darüber
hinaus fälschlich berichtet, dass das Foto auf dem Tempelberg
aufgenommen wurde; der Zwischenfall ereignete sich jedoch in
Jerusalem.

Auf diese Irrtümer aufmerksam gemacht, gab AP eine Reihe von
Richtigstellungen heraus, die den Sachverhalt zum Teil immer noch
falsch darstellten. Außerdem war - wie gewöhnlich, wenn die Medien
einen Fehler machen - der Schaden bereits angerichtet. Viele
Zeitungen, die das Foto veröffentlicht hatten, hielten es nicht für
nötig, den Irrtum richtig zu stellen, andere druckten zwar
Richtigstellungen ab, die jedoch nicht annähernd die Beachtung fanden
wie die ursprüngliche Geschichte.

Ein anderes Beispiel dafür, dass ein Foto erschütternd und dennoch
irreführend sein kann, ist ein Bild der Agentur Reuters. Es zeigt
einen jungen Palästinenser, der am 6. April 2001 von der israelischen
Polizei verhaftet wurde. Der Junge ist offensichtlich völlig
verängstigt und hat in die Hosen gemacht. Auch dieses Foto erregte
weltweit großes Aufsehen und bestätigte wieder einmal den von den
Medien hervorgerufenen Eindruck von den Israelis als brutaler
Besatzungsmacht, die unschuldige Kinder misshandelt.

Ein anderer Fotograf von Reuters schoss unmittelbar zuvor ein weiters
Foto. Es zeigt denselben Jungen, wie er Steine auf israelische
Soldaten wirft. Dieses Bild wurde nur von wenigen Zeitungen
veröffentlicht.

1 Daniel Pipes: The Long Shadow: Culture and Politics in the Middle
East; NJ:á Transaction Publishers 1990, S. 278.

2 Pipes, S. 278.

3 Jerusalem Report, 7. Mai 1991.

4 New York Jewish Week, 31. August 2001.

5 Jerusalem Report, 7. Mai 1991.

6 Al Hayat-Al-Jadidah, 16. Oktober 2001.

7 Al Hayat Al-Jadidah, 2. November 2001.

8 Near East Report, 5. August 1991.

9 Artikel von Jean Pierre Martin vom 5. Oktober 2000, einen Tag,
nachdem sein belgisches Fernsehteam von RTL-TV1 im Gebiet von
Ramallah Filmaufnahmen gemacht hatte.

10 Washington Post, 10. Mai 2001.

11 CNN, 10. Oktober 2000.

12 Al-Hamishmar, 6. Dezember 1991; BÆTselem.

13 Sidney Zion: "Intifada Blues"; Penthouse; März 1990, S. 56.63.

14 Wall Street Journal, 21. Februar 1990.

15 Near East Report, 5. August 1991.

16 Washington Post, 7. September 2001.

17 New York Times, 30. September 2000.

Autor: m.blumentritt@cl-hh.comlink.de (Martin Blumentritt) (2007-06-25 00:00:00)




Autor: m.blumentritt@cl-hh.comlink.de (Martin Blumentritt) (2007-06-25 00:00:00)

Behauptungen und Tatsachen - Die Medien

By Mitchell G. Bard

Behauptungen

1. "Die Medienberichterstattung über Israel entspricht der
weltpolitischen Bedeutung des israelischen Staates."

2. "Israel wird in den Medien so große Aufmerksamkeit zuteil,
weil es das einzige Land im Nahen Osten ist, dessen
Angelegenheiten die amerikanischen Interessen berühren."

3. "Die westliche Medienberichterstattung über die arabische
Welt hält der Berichterstattung über Israel die Waage."

4. "Die Medienberichterstattung über die arabische Welt ist
objektiv."

5. "Den Journalisten, die über den Nahen Osten berichten, geht
es um die Wahrheit."

6. "Die Medien sehen Israel wegen seiner Freundschaft mit den
USA viel nach."

7. "Israel verdient die Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, im
Grunde gar nicht, weil es kein Verbündeter der USA ist."

8. "Israel wird in der amerikanischen Medienberichterstattung
begünstigt, weil die amerikanischen Juden die Medien
kontrollieren und unverhältnismäßig großen politischen
Einfluss haben."

9. "Die arabischen Politiker erzählen den westlichen
Journalisten das Gleiche, was sie ihrem eigenen Volk sagen."

10. "Die Journalisten kennen sich in der Geschichte des Nahen
Ostens aus und können die aktuellen Ereignisse deshalb im
richtigen Zusammenhang darstellen."

11. "Die Intifada leistete passiven Widerstand. Schlimmstenfalls
warfen ein paar Kinder mit Steinen auf schwer bewaffnete
Soldaten."

12. "Die Medienberichterstattung über die Intifada war fair und
ausgewogen."

13. "Die Israelis können die Wahrheit der Fotos, die zeigen, wie
israelische Soldaten Palästinenser misshandeln, nicht
leugnen."

1. Behauptung

"Die Medienberichterstattung über Israel entspricht der
weltpolitischen Bedeutung des israelischen Staates."

Tatsache

Die Aufmerksamkeit, die die Medien Israel schenken, ist kaum mit der
Bedeutung des Landes für die Weltöffentlichkeit oder auch nur für die
nationalen Interessen der USA zu rechtfertigen. Wie kommt es, dass
ein Land von der Größe New Jerseys immer wieder weit wichtigere
Länder wie Russland, China und Großbritannien aus den Schlagzeilen
verdrängt?

Israel genießt wahrscheinlich den höchsten Berühmtheitsgrad der Welt.
Die Amerikaner wissen mehr über die israelische Politik als über die
irgendeines anderen Staates. Zum Beispiel kennen sie die meisten
israelischen Politiker besser als die ihrer Nachbarländer Kanada und
Mexiko. Hinzu kommt, dass ein hoher Prozentsatz der Amerikaner
genauestens über den arabisch-israelischen Konflikt informiert ist.

Einer der Gründe dafür ist die unverhältnismäßige Beachtung, die dem
Land in der Medienberichterstattung zuteil wird. Die amerikanischen
Nachrichtensender zum Beispiel beschäftigen in keinem Land außer in
Großbritannien so viele Korrespondenten wie in Israel.

2. Behauptung

"Israel wird in den Medien so große Aufmerksamkeit zuteil, weil es
das einzige Land im Nahen Osten ist, dessen Angelegenheiten die
amerikanischen Interessen berühren."

Tatsache

Der Nahe Osten ist für die Vereinigten Staaten (und die gesamte
westliche Welt) vor allem wegen seiner Ölressourcen wichtig. Alles,
was die Erdölförderung und die Versorgung der Welt mit Öl gefährden
könnte, ist für die USA von allerhöchster Bedeutung. Darüber hinaus
ist den Vereinigten Staaten daran gelegen, ihnen wohlgesonnene
Regimes in dieser Region zu unterstützen. Grund dafür sind die
ständigen Unruhen, von denen der Nahe Osten immer wieder heimgesucht
wird und die mittelbar oder unmittelbar amerikanische Interessen
berühren. So machten etwa bestimmte Ereignisse in Ländern wie
Jordanien, dem Libanon und dem Iran eine Intervention amerikanischer
Truppen nötig, und es gibt wenig, was die amerikanische
Öffentlichkeit so stark auf den Plan ruft wie ein paar Landsleute,
die sich irgendwo im Ausland in Lebensgefahr befinden. Die
Vereinigten Staaten waren bisher in jeden der arabisch-israelischen
Kriege involviert und führten darüber hinaus mehrere eigene
militärische Aktionen in der Region durch, die nichts mit Israel zu
tun hatten; am bekanntesten war wohl der Golfkrieg mit dem Irak.

Andererseits sind die Amerikaner nicht generell an den Bruderkriegen
von Völkern in fernen Ländern interessiert, jedenfalls so lange diese
Kriege scheinbar keine Auswirkungen auf amerikanische Interessen
haben. So war es jedenfalls in Afrika, Lateinamerika und sogar auf
dem Balkan. Auch die innerarabischen Kriege haben längst nicht die
gleiche Aufmerksamkeit erregt wie die Konflikte zwischen Israel und
den arabischen Staaten. Der israelisch-palästinensische Konflikt -
zwei Völker im Streit um ein Land - nimmt nicht zuletzt deshalb eine
ganz besondere Stellung ein, weil er sich im Heiligen Land abspielt.

Eine weitere Erklärung für die unverhältnismäßig starke Beachtung,
die Israel in der Medienberichterstattung im Verhältnis zu den
arabischen Ländern findet, ist, dass nur wenige Nahostkorrespondenten
den geschichtlichen Hintergrund der Region kennen oder auch nur die
Landessprachen sprechen. Die weitgehend westliche Kultur in Israel
ist ihnen sehr viel vertrauter als die fremden muslimischen
Gesellschaften.

"Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, in dem ein
Auslandskorrespondent eine Freundin finden kann." S. Abdallah
Schleifer 1

3. Behauptung

"Die westliche Medienberichterstattung über die arabische Welt hält
der Berichterstattung über Israel die Waage."

Tatsache

Die arabisch-islamische Welt gilt in Journalistenkreisen als "Gürtel
des Schweigens".2 Die Medien in diesen Ländern stehen unter der
Kontrolle totalitärer Regimes; Israel dagegen ist eine Demokratie mit
einer der freiesten Presselandschaften der Welt.

Die Schwierigkeiten bei der Informationsbeschaffung wird häufig als
Entschuldigung für die spärliche Berichterstattung über die Region
angeführt. So war es zum Beispiel im iranisch-irakischen Krieg, einer
der blutigsten Auseinandersetzungen in den letzten 40 Jahren. Doch
angesichts der sonstigen Findigkeit der amerikanischen Journalisten
ist es erschreckend, dass selbst über die autoritärsten Regimes kaum
etwas in der Presse zu vernehmen ist.

4. Behauptung

"Die Medienberichterstattung
über die Intifada ist objektiv."

Tatsache

Wenn Journalisten ausnahmsweise einmal die Möglichkeit haben, einen
Blick hinter den Schleier des Geheimnisses zu werfen, so ist der
Preis für diesen Kontakt zu Diktatoren und Terroristen meist hoch, ja
in manchen Fällen werden die Reporter sogar eingeschüchtert oder
erpresst. So wurden zum Beispiel in den Achtzigerjahren im Libanon
Journalisten im Gegenzug für Interviews und gewährten Schutz zu
willfährigen Werkzeugen der PLO - und das gilt keineswegs nur für
westliche Journalisten. Während der "Al-Aksa-Intifada" wurden
israelische Journalisten, die Kontakt zur palästinensischen
Autonomiebehörde aufnehmen wollten, gewarnt, und manche erhielten
Drohanrufe, nachdem sie Artikel veröffentlicht hatten, in denen sie
das Vorgehen der Autonomiebehörde kritisierten.3

Als Reese Schonfeld, der erste Präsident von CNN, gebeten wurde, sich
zu der Voreingenommenheit gegenüber Israel zu äußern, die der Sender
nach Ansicht vieler Zuschauer erkennen lässt, sagte er: "Die
Journalisten nehmen in ihrer Berichterstattung große Rücksicht auf
die arabische Empfindlichkeit" - will heißen, dass die
Berichterstattung gefärbt ist, weil CNN seine guten Beziehungen zu
arabischen Welt nicht aufs Spiel setzen will.4

In arabischen Ländern werden ausländische Journalisten stets
eskortiert, damit sie auch wirklich nur zu sehen bekommen, was sie
sehen sollen; oder sie werden beschattet. Die Einheimischen werden
von Sicherheitskräften - manchmal direkt, manchmal auf subtilere
Weise - aufgefordert, sich in ihren Äußerungen gegenüber den
ausländischen Gästen zurückzuhalten.

In der Berichterstattung über die palästinensische Autonomiebehörde
verlassen sich die westlichen Medien in der Regel auf
palästinensische Assistenten, die die Korrespondenten in die
besetzten Gebiete begleiten. Häufig stellt die Behörde ihnen sogar
eigenes Filmmaterial zur Verfügung, das dann weltweit gesendet wird.
"Nach meiner Einschätzung", schrieb Ehud YaÆari, "werden 95 Prozent
der Fernsehbilder, die allabendlich über Satellit im Ausland und im
israelischen Fernsehen zu sehen sind, von palästinensischen
Kamerateams geliefert. Die beiden wichtigsten Agenturen auf dem
Fotoarchivmarkt, APTN und Reuters TV, unterhalten ein ganzes Netz von
palästinensischen Verbindungsleuten in den besetzten Gebieten, die
ihnen unmittelbar nach bestimmten Zwischenfällen sofort Filmmaterial
zur Verfügung stellen. Diese Kamerateams stehen emotional und
politisch ganz offensichtlich auf der Seite der Intifada; im
günstigsten Fall wagen sie es nicht, irgendetwas zu filmen, das die
Autonomiebehörde in Verlegenheit bringen könnte. So kommt es, dass
die Kameras stets auf die israelischen Soldaten und nicht auf die
palästinensischen Heckenschützen gerichtet sind und eine sehr
einseitige Momentaufnahme von den Ereignissen vor Ort liefern."5 Ein
besonders grauenhafter Zwischenfall ereignete sich im Oktober 2000,
als zwei israelische Reservisten in Ramallah von einem
palästinensischen Mob gelyncht wurden. Nach Aussagen von Reportern,
die am Schauplatz anwesend waren, versuchte die palästinensische
Polizei die ausländischen Journalisten am Filmen des Geschehens zu
hindern. Einem italienischen Fernsehteam gelang es dennoch, die
Szenen wenigstens ausschnittweise aufzunehmen, und die schockierenden
Bilder gingen zur besten Sendezeit um die ganze Welt. Eine andere
italienische Nachrichtenagentur setzte daraufhin eine Anzeige in die
wichtigste Zeitung der palästinensischen Autonomiebehörde, Al
Hayat-Al-Jadidah, in der sie sich ausdrücklich von den Aufnahmen
distanzierte:

"Liebe palästinensische Freunde. Wir gratulieren euch und halten es
für unsere Pflicht, euch über die Ereignisse vom 12. Oktober in
Ramallah ins Bild zu setzen. Die Aufnahmen, die bei diesem
Zwischenfall entstanden, stammen von einem mit uns konkurrierenden
privaten Fernsehsender (und nicht vom offiziellen italienischen
Fernsehsender RTI). Die von diesem privaten Sender aufgenommenen
Bilder wurden daraufhin im israelischen Fernsehen gezeigt, und so
entstand in der Öffentlichkeit der Eindruck, als ob die Bilder von
uns (RTI) stammten. Wir möchten euch allen versichern, dass sich das
Ganze nicht so abspielte. Wir haben uns stets an die journalistischen
Vorschriften der palästinensischen Autonomiebehörde für die
(journalistische) Arbeit in Palästina gehalten und werden dies auch
weiterhin tun; ihr kennt uns und wisst, dass wir glaubwürdig
sind.

Wir danken euch für euer Vertrauen. Ihr sollt wissen, dass dies nicht
unsere Art ist (und dass wir eben nicht wie die anderen Fernsehsender
arbeiten). Wir tun so etwas nicht und werden es nie tun.áGottes Segen
mit euch." Unterzeichnet Ricardo Christiano, Vertreter des
offiziellen italienischen Fernsehens in Palästina 6

Wenn eine Nachrichtenagentur von der pro-palästinensischen Linie
abweicht, gerät sie sofort unter Beschuss. Im November 2000 zum
Beispiel warf der palästinensische Journalistenverband Associated
Press vor, ein falsches Bild von der "Al-Aksa-Intifada" zu
vermitteln. Der Verband bezeichnete die Berichterstattung von AP als
bewusstes Verbrechen am palästinensischen Volk und sagte, sie
ergreife Partei für die israelische Position. Er drohte, Maßnahmen
gegen die Redakteure von AP und gegen die AP-Büros im
Verwaltungsgebiet der palästinensischen Autonomiebehörde zu
ergreifen, wenn die Agentur weiterhin die palästinensischen
Interessen schädige.7

5. Behauptung

"Den Journalisten,
die über den Nahen Osten berichten, geht es um die Wahrheit."

Tatsache

Es wird niemanden überraschen, wenn er hört, dass die Journalisten im
Nahen Osten eines mit ihren Kollegen zu Hause gemein haben: das
Interesse an der Sensationsmache. Das anschaulichste Beispiel dafür
sind die Fernsehreporter, deren Medium, das Fernsehen, in dem der
eigentliche Gehalt einer Nachricht fast zwangsläufig hinter ihrer
visuellen Präsentation zurücksteht, eine oberflächliche
Berichterstattung fördert. So antwortete der NBC-Korrespondent in
Israel auf die Frage, warum die Reporter sich dazu hergäben, über
palästinensische Demonstrationen in der Westbank zu berichten, die,
wie sie genau wussten, inszeniert waren: "Wir spielen mit, weil wir
die Bilder brauchen."8 Von Ländern wie Syrien, Saudi-Arabien, Iran
oder Libyen erhalten die Sender keine Bilder, die für den
Fernsehzuschauer oder Zeitungsleser von Interesse wären.

"Wir fingen an, die Demonstranten zu filmen. Plötzlich kam ein
Lastwagen mit Fatah-Kämpfern angerast. Sie brüllten Befehle und
verteilten sogar Molotowcocktails unter den Demonstranten. Wir
filmten weiter, doch diese Bilder wird nie jemand zu sehen bekommen.
In wenigen Augenblicken hatten die Jugendlichen uns umzingelt,
bedrohten uns und brachten uns auf die Polizeistation. Dort wiesen
wir uns aus, wurden aber trotzdem gezwungen, das belastende
Filmmaterial zu löschen. Die palästinensische Polizei bekam die
Situation unter Kontrolle, aber unsere Bilder wurden zensiert. Jetzt
haben wir den Beweis, dass diese Unruhen nicht spontan ausbrechen.
Sämtliche Befehle kamen von der palästinensischen Hierarchie." Jean
Pierre Martin 9

6. Behauptung

"Die Medien sehen Israel wegen seiner Freundschaft mit den USA viel
nach."

Tatsache

Die Amerikaner neigen dazu, die Juden mit einem anderen Maßstab zu
messen, sie erwarten sehr viel mehr von ihnen als von allen anderen
Völkern. Das liegt zum Teil an den eigenen hohen Erwartungen der
Juden, an ihrem Anspruch, "ein Licht für die Völker" zu sein; so wird
augenblicklich registriert, wenn die Israelis sich etwas zu Schulden
kommen lassen. Die Araber hingegen werden an einem sehr viel
niedrigeren Maßstab gemessen. Als Israel zum Beispiel vier
Palästinenser auswies, war diese Maßnahme sofort Schlagzeilen wert,
doch dass Kuwait Hunderttausende auswies, nahm die Presse überhaupt
nicht zur Kenntnis. Und der Tod eines einzigen Palästinensers in der
Westbank löste in den Medien mehr Berichte aus als der Mord an
Tausenden von Arabern in Algerien. Ob zu Recht oder zu Unrecht,
Öffentlichkeit und Presse sind offenbar der Ansicht, dass die Juden
sich anders verhalten sollen als der Rest der Menschheit.

7. Behauptung

"Israel verdient die Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, im Grunde
nicht, weil es kein Verbündeter der USA ist."

Tatsache

Israel hat eine ganz besondere Beziehung zu den Vereinigten Staaten,
die in den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückreicht. Damals billigte
der amerikanische Kongress die Schaffung eines jüdischen Staats in
Palästina. Harry Truman gilt als Geburtshelfer des neuen Staates, und
die wirtschaftliche, diplomatische und militärische Unterstützung der
Vereinigten Staaten war zu allen Zeiten entscheidend für Israels
Entwicklung und berleben. Die Amerikaner fühlen sich den Israelis
verwandt, weil sie die gleichen Werte haben - Demokratie,
Freiheitsliebe, Wertschätzung von Bildung -, und dies hat zu einer
Vielzahl von Verbindungen auf persönlicher und politischer Ebene
geführt. Die amerikanische Öffentlichkeit ist fasziniert vom "Volk
des Buches", das jahrhundertelang von Land zu Land zog, überall
verfolgt wurde, endlich in seine Heimat zurückkehrte, dort eine
blühende Hightech-Gesellschaft schuf, gegen haushoch überlegene
Feinde kämpfte und sie besiegte. Die Amerikaner bewundern den
Pioniergeist der Juden, die sich als Erste in Palästina niederließen
und dort Kibbuzim gründeten, weil sie darin ihre eigene Geschichte
wieder erkennen. Und sie haben ein Herz für die Schwachen - denn das
sind die Juden auch heute noch, obwohl Israel inzwischen zur
Militärmacht geworden ist. Mit wachsender militärischer Stärke wurde
Israel außerdem zu einem wichtigen Bündnispartner der USA und
erhielt, obwohl es nicht der NATO angehört, den besonderen Status
eines Verbündeten der USA (Major Non-NATO Ally).

8. Behauptung

"Israel wird in der amerikanischen Medienberichterstattung
begünstigt, weil die amerikanischen Juden die Medien kontrollieren
und unverhältnismäßig großen politischen Einfluss haben."

Tatsache

Wenn die Juden tatsächlich die Medien kontrollieren würden, würden
sie sich wohl kaum so oft über die antiisraelische Einstellung der
Presse beklagen. Es ist sicherlich richtig, dass die Aufmerksamkeit,
die Israel in der amerikanischen Presse zuteil wird, mit der Tatsache
in Zusammenhang steht, dass die Vereinigten Staaten den höchsten
jüdischen Bevölkerungsanteil der Welt haben und dass die
amerikanischen Juden sich sehr stark mit Israel identifizieren. Es
stimmt auch, dass eine große Zahl von Juden wichtige Positionen in
der Medienlandschaft haben (auch wenn sie keinesfalls die Presse
"kontrollieren", wie manche Antisemiten behaupten) und dass die
jüdische Bevölkerungsmehrheit sich auf große Medienzentren wie New
York und Los Angeles konzentriert, sodass es nicht überraschen kann,
wenn Israel häufig im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Politisch
besitzen die amerikanischen Juden beträchtliche Macht in den
Vereinigten Staaten, und sie nutzen diese Macht zu Gunsten einer
Politik, die die amerikanisch-israelischen Beziehungen vertieft; es
gibt jedoch keinen Hinweis darauf, dass sich daraus eine
Medienberichterstattung entwickelt hat, in der Israel bevorzugt wird.
Man könnte im Gegenteil sagen, dass pro-arabische Kräfte wie zum
Beispiel die Petrochemie ebenso großen oder sogar noch größeren
Einfluss auf die Medien haben und einen antiisraelischen Trend in der
Berichterstattung fördern.

9. Behauptung

"Die arabischen Politiker
erzählen den westlichen Journalisten das Gleiche, was sie ihrem eigenen
Volk sagen."

Tatsache

Arabische Politiker sagen in englischer Sprache häufig etwas ganz
anderes als in der arabischen. Ihre wahren Gefühle und Einstellungen
äußern sie nur in ihrer Muttersprache, vor ihren Wählern. Für die
Ohren der Weltöffentlichkeit bedienen sie sich einer moderaten
Wortwahl, und wenn sie in englischer Sprache vor einer westlichen
Hörerschaft sprechen, vertreten sie häufig völlig andere Ansichten
als in ihren Heimatländern. Die arabischen Propagandisten wissen seit
langem, wie sie ihrer Sache am besten dienen. Sie treten inzwischen
routinemäßig in amerikanischen Nachrichtensendungen auf und werden in
den Printmedien zitiert; in beiden machen sie den Eindruck
vernünftiger Menschen mit berechtigten Forderungen und Bedenken. Was
viele dieser Leute auf Arabisch sagen, ist jedoch oft weit weniger
gemäßigt und vernünftig. Da die Israelis in der Regel das Arabische
verstehen bzw. es leicht übersetzen können, kennen sie die wahre
Einstellung ihrer Feinde genau. Amerikaner und andere aber, die nur
Englisch sprechen, lassen sich leicht von der glänzenden Oberfläche
eines arabischen Propagandaspezialisten täuschen. Als Beispiel sei
hier Saeb Erekat, der palästinensische Unterhändler für den Frieden,
angeführt, der häufig in den westlichen Medien zitiert wird. Nach dem
grausamen Mord an zwei israelischen Jugendlichen am 9. Mai 2001 wurde
er um eine Stellungnahme gebeten. Die Washington Post druckte seine
Antwort in folgendem Zusammenhang: "Saeb Erekat, ein
palästinensischer Politiker, sagte auf einer Pressekonferenz in
englischer Sprache: ¢Der Mord an Zivilisten, palästinensischen wie
israelischen, ist ein Verbrechen.ï Diese Bemerkung wurde in den in
arabischer Sprache erscheinenden palästinensischen Medien nicht
veröffentlicht."10 Das Ungewöhnliche daran war, dass die Post eigens
darauf hinwies, dass Erekats Kommentar nicht in der palästinensischen
Presse erschien.

10. Behauptung

"Die Journalisten kennen sich in der Geschichte des Nahen Ostens aus
und können die aktuellen Ereignisse deshalb im richtigen Zusammenhang
darstellen."

Tatsache

Einer der Gründe für die Missverständnisse und Fehlinformationen über
den Nahostkonflikt und für die alles andere als objektive
Berichterstattung darüber in den Medien ist die Unwissenheit der
Journalisten. Nur wenige Reporter sprechen Iwrit oder Arabisch,
sodass sie die Originalquellen kaum oder gar nicht nutzen können.
Statt unabhängig zu berichten, käuen sie häufig einfach nur Artikel
wieder, die sie in englischsprachigen Veröffentlichungen der Region
gelesen haben. Wenn sie versuchen, bestimmte Ereignisse in einen
historischen Kontext einzuordnen, stellen sie Tatsachen falsch dar
und erzeugen so einen ungenauen oder gar falschen Eindruck.á So sagte
zum Beispiel Garrick Utley von CNN im Rahmen einer Sendereihe über
die Geschichte der heiligen Stätten in Jerusalem, dass die Juden
während der jordanischen Herrschaft über die Stadt von 1948 bis 1967
an der Westmauer beten durften.11 In Wirklichkeit durften die Juden
ihr höchstes Heiligtum damals nicht einmal betreten - eine wichtige
historische Tatsache, die Israels heutige Haltung in der
Jerusalemfrage verständlicher macht.

11. Behauptung

"Die Intifada leistete
passiven Widerstand. Schlimmstenfalls warfen ein paar Kinder mit Steinen
auf schwer bewaffnete Soldaten."

Tatsache

Die Intifada war von Anfang an eindeutig gewaltbereit. In den ersten
vier Jahren des Aufstands verzeichneten die israelischen
Verteidigungsstreitkräfte über 3600 Molotowcocktail- und 100
Handgranatenangriffe sowie 600 Anschläge mit Schusswaffen und
Sprengstoff. Die Gewalt richtete sich gleichermaßen gegen Soldaten
und Zivilisten. In dem genannten Zeitraum töteten die Palästinenser
in den besetzten Gebieten 16 israelische Zivilisten und elf Soldaten;
über 1400 israelische Zivilisten und 1700 israelische Soldaten wurden
verletzt. Zwischen 1997 und der Unterzeichnung der Oslo-Abkommen
kamen 90 Israelis bei bergriffen der Intifada durch Anschläge ums
Leben.12

Bei einem Besuch in Bethlehem im August 1988 wäre der amerikanische
Journalist Sidney Zion auf einer Taxifahrt beinahe durch einen
Steinwurf getötet worden. "Zum Glück hat der Stein mich verfehlt",
sagte er. "Ich sah ihn nicht kommen und wäre in der nächsten Sekunde
tot gewesen, wenn der Fahrer nur eine Idee schneller gefahren wäre.
Zum Glück saß niemand auf dem Beifahrerplatz, aber es war klar, dass
die Araber die Steine nicht einfach in die Luft geworfen hatten."

Zion, der seit über 20 Jahren als Berichterstatter im Nahen Osten
arbeitete, sagte, dass er auf Grund der amerikanischen Medienberichte
überzeugt war, dass "die Steinewerfer auf israelische Soldaten und
nicht auf Taxis gezielt hatten. Oder haben Sie im Fernsehen je etwas
anderes gesehen, in den Zeitungen je etwas anderes gelesen? Kinder
warfen mit Steinen auf Soldaten, das war alles. Es kam mir einfach
nicht in den Sinn, dass amerikanische Journalisten Nachrichten über
eine tödliche Gefahr unterdrückten. Erst später fand ich heraus, dass
das, was uns passiert war, keine Ausnahme darstellte", schrieb Zion.
"An jedem Tag, den Gott werden lässt, werden israelische Zivilisten
in der Westbank von diesen kleinen arabischen Teufelsbraten mit
Steinen bombardiert und kommen dabei zu Tode."13

12. Behauptung

"Die Medienberichterstattung über die Intifada war fair und
ausgewogen."

Tatsache

Die wahrheitsliebenderen Journalisten gaben zu, dass die
Berichterstattung über die Intifada einseitig war. Laut Steven
Emerson, einem damaligen CNN-Korrespondenten, akzeptierten
amerikanische Journalisten, dass die Palästinenser kontrollierten,
was sie filmten. Ein israelischer Kameramann, der für mehrere
amerikanische Fernsehgesellschaften arbeitete, sagte einmal zu
Emerson: "Wenn wir die Kamera auf die falschen Szenen richten, sind
wir geliefert." In anderen Fällen überließen die
Fernsehgesellschaften den Palästinensern Dutzende von Videokameras,
damit sie Streiks, Aufstände und Begräbnisse filmen konnten. "Wir
haben keinerlei Möglichkeit, die Authentizität des Filmmaterials zu
überprüfen, und wir können auch nicht verhindern, dass die Kameras
dazu gebraucht werden, eine Demonstration zu organisieren", schrieb
er.14

Obwohl nahezu ein Drittel aller im Jahr 1989 getöteten Palästinenser
von Arabern ermordet wurden, befassten sich nur zwölf der 150 in
diesem Jahr von den amerikanischen Fernseh- und
Rundfunkgesellschaften gesendeten Berichte über die Westbank mit
diesem innerpalästinensischen Krieg. "Während der politische Terror
der Palästinenser in der Westbank keine Schlagzeile wert ist",
schrieb Emerson, "werden pure Erfindungen über Grausamkeiten der
Israelis ungeprüft weitergegeben."

Anfang 1988 zum Beispiel wurde die Auslandspresse ins
El-Mokassed-Hospital in Jerusalem gerufen, um dort einen sterbenden
palästinensischen Jungen zu filmen. Sein palästinensischer Arzt
präsentierte ihn, angeschlossen an Schläuche und ein Beatmungsgerät,
und behauptete, das Kind sei von israelischen Soldaten rücksichtslos
zusammengeschlagen worden. Am 8. Februar 1988 eröffnete Peter
Jennings von ABC seinen Beitrag mit dem Satz, nach Aussage von
UN-Beobachtern hätten die Israelis "einen weiteren Palästinenser in
den besetzten Gebieten zu Tode geprügelt". NBC und CBS brachten
ähnlich reißerisch aufgemachte Berichte.

Doch die Geschichte stimmte nicht. Bei der Autopsie stellte sich
heraus, dass das Kind an einer Hirnblutung starb, nachdem es davor
über ein Jahr lang krank gewesen war. Insgesamt, so Emerson, hatten
sich die amerikanischen Fernseh- und Rundfunkgesellschaften "an einer
beispiellosen Irreführung über den Konflikt in der Westbank
mitschuldig gemacht".

Martin Fletcher, der NBC-Verantwortliche in Tel Aviv, gab zu, dass es
problematisch sei, im Zusammenhang mit der Intifada von fairer
Berichterstattung zu sprechen. Er räumte ein, dass die Palästinenser
die westlichen Medien manipulierten, indem sie sich als "David"
präsentierten, der sich dem israelischen "Goliath" stellte - eine
Metapher, die Fletcher selbst in einem Bericht von 1988 gebrauchte.

"Der ganze Aufstand war für die Medien inszeniert und wurde
zweifellos durch das Interesse der Medien in Gang gehalten", sagte
er. Fletcher gab offen zu, dass er Aufforderungen junger
Palästinenser, gewalttätige Angriffe gegen jüdische Bewohner der
Westbank zu filmen, nachgekommen sei.

"Es ist eine Sache der Manipulation der Medien. Die Frage dabei ist:
Wie weit spielen wir das Spiel mit? Es ist das Gleiche wie mit den
Fototerminen bei Bush oder Reagan. Wir spielen mit, weil wir die
Bilder brauchen."15

Fallstudie

Ein in der Washington Post erschienener Artikel über den
"Teufelskreis des Todes" in der Westbank enthielt ein Interview mit
Raed Karmi, einem Offizier der Fatah, der dominierenden Gruppierung
in Arafats Palästinensischer Befreiungsorganisation. Der Artikel
beginnt damit, wie Karmi hinausläuft, um sich an einem Scharmützel
mit israelischen Soldaten zu beteiligen, und sich ein M-16-Gewehr
greift. Was der Reporter zu erwähnen vergisst, ist, dass nach den
israelisch-palästinensischen Abkommen nur die palästinensische
Polizei bewaffnet sein darf. Der Artikel erweckt den Eindruck, dass
die Gewaltanwendung der Israelis und der Palästinenser in diesem
"Teufelskreis" gleichzusetzen sei, weil Karmi sagt, dass er aus Rache
für den Tod eines Palästinensers handle, den die Israelis wegen
geplanter Terroranschläge ermordet hätten. Karmi gibt zu, dass er an
der Entführung und "Hinrichtung" zweier Israelis beteiligt war, die
in einem Tulkarm-Restaurant zu Mittag gegessen hatten. Karmi wurde
zwar von der palästinensischen Autonomiebehörde verhaftet, aber
bereits nach vier Monaten wieder auf freien Fuß gesetzt. Danach
brachte er vier weitere Israelis um, darunter einen Mann in einem
Supermarkt und einen Autofahrer, den er aus dem Hinterhalt ermordete.
"Ich werde mit den Anschlägen auf Israelis weitermachen", sagte er
gegenüber der Post.16

13. Behauptung

"Die Israelis können die Wahrheit der Fotos, die zeigen, wie
israelische Soldaten Palästinenser misshandeln, nicht leugnen."

Tatsache

Ein Bild kann mehr sagen als tausend Worte, aber manchmal kann das
Bild und die Worte, mit denen es beschrieben wird, auch grob in die
Irre führen. Fotografen und Kameraleute sind ständig auf der Jagd
nach sensationellen Bildern, die dann nur allzu oft dokumentieren,
wie der grausame israelische Goliath den leidenden palästinensischen
David misshandelt, doch der Kontext ist häufig ein völlig anderer.

Ein klassisches Beispiel ist ein Foto, das Associated Press an
Presseorgane auf der ganzen Welt versandte. Das Foto wurde in der New
York Times abgedruckt 17 und erregte den Zorn der Öffentlichkeit,
weil es in der von AP mitgelieferten Bildunterschrift hieß: "Ein
israelischer Polizist und ein Palästinenser auf dem Tempelberg." Da
das Foto während der palästinensischen Unruhen nach dem umstrittenen
Besuch Ariel Sharons in der Al-Aksa-Moschee aufgenommen worden war,
schien es ein anschauliches Beispiel für die Brutalität der Israelis
zu sein. Später stellte sich heraus, dass die Bildunterschrift falsch
war und das Foto in Wirklichkeit einen Zwischenfall zeigte, der genau
den gegenteiligen Eindruck hervorgerufen hätte, wenn der Sachverhalt
korrekt wiedergegeben worden wäre.

Tatsächlich handelte es sich bei dem abgebildeten Opfer nicht um
einen Palästinenser, der von dem Israeli zusammengeschlagen worden
war. Das Bild zeigt vielmehr einen israelischen Polizisten, der dem
amerikanischen Studenten Tuvia Grossman zu Hilfe kommt. Grossman
hatte in einem Taxi gesessen, das von Palästinensern mit Steinen
beworfen worden war. Der junge Mann wurde aus dem Wagen gezerrt,
geschlagen und mit Messerstichen traktiert, hatte sich jedoch
losreißen können und war zu dem isralischen Polizisten geflüchtet.
Genau in diesem Augenblick hatte der Fotograf das Bild geschossen.

AP hatte also nicht nur das Opfer falsch bezeichnet, sondern darüber
hinaus fälschlich berichtet, dass das Foto auf dem Tempelberg
aufgenommen wurde; der Zwischenfall ereignete sich jedoch in
Jerusalem.

Auf diese Irrtümer aufmerksam gemacht, gab AP eine Reihe von
Richtigstellungen heraus, die den Sachverhalt zum Teil immer noch
falsch darstellten. Außerdem war - wie gewöhnlich, wenn die Medien
einen Fehler machen - der Schaden bereits angerichtet. Viele
Zeitungen, die das Foto veröffentlicht hatten, hielten es nicht für
nötig, den Irrtum richtig zu stellen, andere druckten zwar
Richtigstellungen ab, die jedoch nicht annähernd die Beachtung fanden
wie die ursprüngliche Geschichte.

Ein anderes Beispiel dafür, dass ein Foto erschütternd und dennoch
irreführend sein kann, ist ein Bild der Agentur Reuters. Es zeigt
einen jungen Palästinenser, der am 6. April 2001 von der israelischen
Polizei verhaftet wurde. Der Junge ist offensichtlich völlig
verängstigt und hat in die Hosen gemacht. Auch dieses Foto erregte
weltweit großes Aufsehen und bestätigte wieder einmal den von den
Medien hervorgerufenen Eindruck von den Israelis als brutaler
Besatzungsmacht, die unschuldige Kinder misshandelt.

Ein anderer Fotograf von Reuters schoss unmittelbar zuvor ein weiters
Foto. Es zeigt denselben Jungen, wie er Steine auf israelische
Soldaten wirft. Dieses Bild wurde nur von wenigen Zeitungen
veröffentlicht.

1 Daniel Pipes: The Long Shadow: Culture and Politics in the Middle
East; NJ:á Transaction Publishers 1990, S. 278.

2 Pipes, S. 278.

3 Jerusalem Report, 7. Mai 1991.

4 New York Jewish Week, 31. August 2001.

5 Jerusalem Report, 7. Mai 1991.

6 Al Hayat-Al-Jadidah, 16. Oktober 2001.

7 Al Hayat Al-Jadidah, 2. November 2001.

8 Near East Report, 5. August 1991.

9 Artikel von Jean Pierre Martin vom 5. Oktober 2000, einen Tag,
nachdem sein belgisches Fernsehteam von RTL-TV1 im Gebiet von
Ramallah Filmaufnahmen gemacht hatte.

10 Washington Post, 10. Mai 2001.

11 CNN, 10. Oktober 2000.

12 Al-Hamishmar, 6. Dezember 1991; BÆTselem.

13 Sidney Zion: "Intifada Blues"; Penthouse; März 1990, S. 56.63.

14 Wall Street Journal, 21. Februar 1990.

15 Near East Report, 5. August 1991.

16 Washington Post, 7. September 2001.

17 New York Times, 30. September 2000.