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Nazis, ab in den sozialen Verachtungstod

Autor: m.blumentritt@cl-hh.comlink.de (Martin Blumentritt) (2007-02-11 00:00:00)

Nr. 11
"Als der Morgen heraufdämmerte, begannen die Deutschen, das jüdische
Ghetto von Józefów zu räumen. Sie durchkämmten das Viertel in kleinen
Gruppen von meist zwei oder drei Mann und trieben die Juden aus ihren
Wohnungen. Die dritte Kompanie hatte wie alle anderen von ihrem
Kommandeur die Anweisung erhalten, »daß bei der Räumung Kranke und
Gebrechliche sowie Säuglinge und Kleinstkinder und Juden, die sich
widersetzten, an Ort und Stelle zu erschießen sind»

Diesen Befehl führten die Deutschen erbarmungslos und unglaublich
brutal aus; wer nicht selber zum Sammelplatz laufen konnte, den
erschossen sie. »Ich habe aber etwa 6 jüdische Leichen gesehen, die
von meinen Gruppenkameraden an Ort und Stelle befehlsgemäß erschossen
worden waren. U.a. sah ich eine Greising, die in ihrem Bett tot lag.«
Nachdem die Deutschen ihre Aufgabe »erledigt« hatten, lagen, wie
einer von ihnen berichtet, überall im Ghetto, in »Vorgärten,
Hauseingängen und auf der Straße bis zum Marktplatz« Leichen von
Juden. Ein Angehöriger der dritten Kompanie beschreibt das Vorgehen
so: »Ich weiß auch, daß nach diesem Befehl gehandelt wurde,d enn als
ich während der Räumung durch das Judenviertel ging,, habe ich
überall erschossene Greise und Säuglinge gesehen. Ich weiß auch,, daß
während der Räumung sämtliche Insasen eines jüdischen Krankenhauses
von den Durchsuchungstrupps erschossen wurden.«

Es ist leicht, diese beiden Sätze zu lesen, einen Augenblick zu
erschaudern und dann weiterzulesen. Statt dessen lohnt es sich
innezuhalten und sich vorzustellen, wie groß der psychische Druck,
sich an diesem Massaker nicht zu beteiligen, gewesen wäre, hätten die
Männer diese Tötungen wirklich abgelehnt; hätten sie tatsächlich
nicht angenommen, daß die Juden ein derartiges Schicksal verdienten.
Gerade hatten sie von ihrem Kommandeur erfahren, daß er jene
entschuldigen wollte, die zögerten. Statt nun sein Angebot
anzunehmen, entschieden sie sich dafrü, in ein Krankenhaus - einen
Ort des Heilens also - einzudringen, um die Kranken zu erschießen,
die sich sicherlich krümmten, bettelten und um Gnade flehten. Sie
töteten Babys. Doch keiner der Deutschen berichtet von diesen
Details. Aller Wahrscheinlichkeit nach erschoß einer der Mörder ein
Baby in den Armen seiner Mutter und die Mutter obendrein, oder aber
er hielt das Kleine, wie es damals mitunter die Gewohnheit der Tätere
war, am Bein auf Armeslänge von sich, um es dann zu erschießen.
Vielleicht mußte die Mutter dies voller Entsetzen mitansehen. Der
kleine Körper wurde dann wie Abfall fallen gelassen, und man ließ ihn
verotten. So wurde ein Leben ausgelöscht. Der Schrecken, den die
Tötung dieses einen Babys oder die Teilnahme am Massaker an den
jüdischen Patienten eines Krankenhauses, geschweige denn al die
anderen Morde auslösten, die sich im Laufe eines einzigen Tages
ereigneten, mußte jeden, der Juden als Mitglieder der menschlichen
Gemeinschaft betrachtete, zu der Überlegung veranlassen, ober er auch
jetzt von Trapps Angebot Gebrauch machen sollte. Soviel wir wissen,
tat das niemand."(D.J.Goldhagen, Hitlers willige Vollstrecker, S.
258)

Zur Begründung der Postings siehe den wöchentlich versandten Text mit
dem Betreff: Nazis, ab in den sozialen Verachtungstod!!!

URL http://www.martinblumentritt.de

Autor: m.blumentritt@cl-hh.comlink.de (Martin Blumentritt) (2007-02-11 00:00:00)




Autor: m.blumentritt@cl-hh.comlink.de (Martin Blumentritt) (2007-02-11 00:00:00)

Nr. 11
"Als der Morgen heraufdämmerte, begannen die Deutschen, das jüdische
Ghetto von Józefów zu räumen. Sie durchkämmten das Viertel in kleinen
Gruppen von meist zwei oder drei Mann und trieben die Juden aus ihren
Wohnungen. Die dritte Kompanie hatte wie alle anderen von ihrem
Kommandeur die Anweisung erhalten, »daß bei der Räumung Kranke und
Gebrechliche sowie Säuglinge und Kleinstkinder und Juden, die sich
widersetzten, an Ort und Stelle zu erschießen sind»

Diesen Befehl führten die Deutschen erbarmungslos und unglaublich
brutal aus; wer nicht selber zum Sammelplatz laufen konnte, den
erschossen sie. »Ich habe aber etwa 6 jüdische Leichen gesehen, die
von meinen Gruppenkameraden an Ort und Stelle befehlsgemäß erschossen
worden waren. U.a. sah ich eine Greising, die in ihrem Bett tot lag.«
Nachdem die Deutschen ihre Aufgabe »erledigt« hatten, lagen, wie
einer von ihnen berichtet, überall im Ghetto, in »Vorgärten,
Hauseingängen und auf der Straße bis zum Marktplatz« Leichen von
Juden. Ein Angehöriger der dritten Kompanie beschreibt das Vorgehen
so: »Ich weiß auch, daß nach diesem Befehl gehandelt wurde,d enn als
ich während der Räumung durch das Judenviertel ging,, habe ich
überall erschossene Greise und Säuglinge gesehen. Ich weiß auch,, daß
während der Räumung sämtliche Insasen eines jüdischen Krankenhauses
von den Durchsuchungstrupps erschossen wurden.«

Es ist leicht, diese beiden Sätze zu lesen, einen Augenblick zu
erschaudern und dann weiterzulesen. Statt dessen lohnt es sich
innezuhalten und sich vorzustellen, wie groß der psychische Druck,
sich an diesem Massaker nicht zu beteiligen, gewesen wäre, hätten die
Männer diese Tötungen wirklich abgelehnt; hätten sie tatsächlich
nicht angenommen, daß die Juden ein derartiges Schicksal verdienten.
Gerade hatten sie von ihrem Kommandeur erfahren, daß er jene
entschuldigen wollte, die zögerten. Statt nun sein Angebot
anzunehmen, entschieden sie sich dafrü, in ein Krankenhaus - einen
Ort des Heilens also - einzudringen, um die Kranken zu erschießen,
die sich sicherlich krümmten, bettelten und um Gnade flehten. Sie
töteten Babys. Doch keiner der Deutschen berichtet von diesen
Details. Aller Wahrscheinlichkeit nach erschoß einer der Mörder ein
Baby in den Armen seiner Mutter und die Mutter obendrein, oder aber
er hielt das Kleine, wie es damals mitunter die Gewohnheit der Tätere
war, am Bein auf Armeslänge von sich, um es dann zu erschießen.
Vielleicht mußte die Mutter dies voller Entsetzen mitansehen. Der
kleine Körper wurde dann wie Abfall fallen gelassen, und man ließ ihn
verotten. So wurde ein Leben ausgelöscht. Der Schrecken, den die
Tötung dieses einen Babys oder die Teilnahme am Massaker an den
jüdischen Patienten eines Krankenhauses, geschweige denn al die
anderen Morde auslösten, die sich im Laufe eines einzigen Tages
ereigneten, mußte jeden, der Juden als Mitglieder der menschlichen
Gemeinschaft betrachtete, zu der Überlegung veranlassen, ober er auch
jetzt von Trapps Angebot Gebrauch machen sollte. Soviel wir wissen,
tat das niemand."(D.J.Goldhagen, Hitlers willige Vollstrecker, S.
258)

Zur Begründung der Postings siehe den wöchentlich versandten Text mit
dem Betreff: Nazis, ab in den sozialen Verachtungstod!!!

URL http://www.martinblumentritt.de