Autor: "Norbert Müller" (2005-07-21 20:38:24)
Bei 18 Millionen Moslems in Europa darf man jetzt wohl auch von allen ihren
Religionsgemeinschaften eine klare und sehr deutliche Distanzierung von den
Terroristen erwarten.
mfg, nm
22.07.2005 - Chronik / Österreich © diepresse.com | Wien
Muslime: Entsetzen über radikale Aussagen von Prediger
Die Islamische Glaubensgemeinschaft spricht von einer kleinen
Minderheit und geht auf Distanz.
WIEN (eko). Für heftige Wogen sorgte das gestrige
"Presse"-Interview
mit dem Imam einer Wiener Moschee, die vom Verfassungsschutz als radikal
eingestuft wird. So zeigt sich der Integrationsbeauftragte der Islamischen
Glaubensgemeinschaft, Omar Al-Rawi, entsetzt: "Alle Muslime, mit denen ich
gesprochen habe, sind über die Aussagen erschüttert." Imam Abu
Muhammad bzw.
Armin Bibars vom Moschee-Verein hatten erklärt, dass Muslime kein Teil der
österreichischen Gesellschaft seien.
Hier, so Al-Rawi, werde die große Mehrheit der
österreichischen
Muslime von einer Minderheit in Geiselhaft genommen. 98 Prozent der Moslems
würden sich zu Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus, Integration und
politischer
Partizipation bekennen. In diesem Zusammenhang verweist er auch auf eine
entsprechende Erklärung der ersten österreichischen Imame-Konferenz
in Wien.
Auch Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft,
sieht die Aussagen nicht mit der Linie seiner Organisation vereinbar. Zur
Ansicht des Predigers, dass alle Gesetze von Gott kämen, meint er, dass
die
göttliche Offenbarung etwas Besonderes sei, "aber wir leben auf der
Erde und
der Staat als politische Ordnung regelt das Leben." Zudem widerspricht er
der Aussage von Abu Muhammad, in der er den Dschihad als Kriegsrecht
auslegt. Zwar gebe es das Recht auf Verteidigung, wenn man angegriffen
werde, doch enthalte der Koran eine dringende Warnung vor Gewalt. Wichtiger
in der Religiösität sei das Verzeihen.
Mit den Betreibern der betreffenden Moschee stehe man wegen deren
Linie in keinem Kontakt, so Schakfeh. Und auch die überwiegende Mehrheit
der
Muslime würde sie meiden.
21.07.2005 - Chronik / Österreich
Wiener Imam: Wiener Imam: "Glaube nicht an Demokratie"
Von Erich Kocina und Rainer Nowak
"PRESSE"-EXKLUSIVINTERVIEW. Mitten in Wien-Neubau steht eine von vier
Moscheen, die der Verfassungsschutz als radikal einstuft. Imam Abu Muhammad
erklärt, warum echte Moslems hier nie Teil der Gesellschaft sein
können.
Wenige Meter von der Mariahilfer Straße entfernt weist ein kleines
Messingschild auf den Standort einer jener vier Moscheen, von denen sich die
Islamische Glaubensgemeinschaft Österreich wegen radikaler Predigten
distanziert hatte. Der Gebetsraum ist in einer großen,
renovierungsbedürftigen Mietwohnung untergebracht und bietet rund 100
Gläubigen Platz. Hier predigt der 30-jährige Imam Abu Muhammad vor
Muslimen
aus den verschiedensten Ländern.
Der gebürtige Wiener mit bosnischen Wurzeln lebte und studierte in
Jordanien, Saudiarabien und Bosnien. Heute lebt er wieder in Wien. Ebenfalls
aus Wien stammt der 30-jährige Armin Bibars. Der stellvertretende Obmann
des
Vereins, der die Moschee führt, studierte Politikwissenschaft und
Philosophie in Wien sowie Arabistik in Frankreich. "Die Presse"
interviewte
die beiden im "Büro" der Moschee.
Die Presse: Vergangenen Freitag rief die Islamische
Glaubensgemeinschaft dazu auf, die Anschläge in London bei der Predigt zu
thematisieren. Sie sprachen über die "wirtschaftliche Benachteiligung
von
Moslems". Warum?
Imam Abu Muhammad: Wir haben keine Aufforderung von der
Glaubensgemeinschaft bekommen.
Warum haben Sie nicht aus eigenem Antrieb über die Anschläge
gesprochen?
Muhammad: Wir wollten dazu einfach keine Stellung nehmen.
Warum hat sich die Glaubensgemeinschaft von Ihnen distanziert?
Armin Bibars: Das hat politische Ursachen. Die ganze Diskussion, die
im Moment in Wien abläuft, geht um Begriffe wie Hassprediger. Und ich bin
der Meinung, dass dieser Hass nicht von uns ausgeht.
Von wem denn sonst?
Bibars: Vom Integrationsbeauftragten der Glaubensgemeinschaft Omar
Al-Rawi. Interessanterweise gibt er zu, dass er selbst diese Predigten noch
nicht gehört hat.
Sie sagen, dass Muslime nicht an Wahlen teilnehmen sollen?
Bibars: Sie sollen daran nicht teilnehmen. Leute wie Herr Rawi sind
der Meinung, dass die Muslime hier ein Teil der Gesellschaft sind. Das ist
eine Vorstellung, die unserer widerspricht.
Glauben Sie an Demokratie?
Muhammad: Nein ich glaube nicht an die Demokratie, weil mich die
Offenbarung des Islams lehrt: Gott ist der Einzige, der Gesetze macht.
Sie sind als österreichische Staatsbürger doch Teil der
Gesellschaft!
Bibars: Wir sehen uns in erster Linie als Gäste. Deswegen
möchten wir
uns hier weder in Politik einmischen noch zu irgendwelchen Ereignissen
Stellung nehmen.
Aber als österreichischer Staatsbürger haben Sie doch
Pflichten.
Bibars: Die betrachte ich nach dem islamischen Recht. Für mich ist
das
eine Vereinbarung, die ich mit diesem Staat geschlossen habe: Dass ich die
Regeln, die gelten, akzeptiere. Wenn es eine Gefahr gibt, dann geht die
nicht von uns aus, die wir im stillen Kämmerlein unsere Suppe kochen.
Für Sie haben österreichische Gesetze keine Geltung?
Muhammad: Unser Leben in dieser Gesellschaft wird von der islamischen
Gesetzgebung reguliert. Wenn ich nicht stehle, dann nicht, weil es hier im
Gesetz steht, sondern weil mir das meine Offenbarung gesagt hat.
Warum leben Sie nicht in einem islamischen Staat wie etwa dem Iran, wo
islamische Gesetze gelten?
Muhammad: Das ist kein islamischer Staat. Das ist ein schiitischer
Staat. Es gibt nirgendwo auf dieser Welt einen Staat, wo ich ein ruhiges
Leben führen kann. Sollte es ihn geben, dann verspreche ich Ihnen,
würde ein
Teil der Welt aufstehen und ihn entfernen. Unter der Überschrift
"Bekämpfung
des Terrorismus".
Warum glauben Sie das?
Muhammad: Weil ich das gesehen habe. Wo war die Gefahr in Afghanistan,
in diesem Taliban-Regime? Sie konnten niemandem wehtun, ein Staat ohne
Infrastruktur und ohne Geld.
Osama Bin Laden war dort.
Muhammad: Osama Bin Laden war auch im Krieg gegen die Russen dort. Es
ist nicht die Frage über Osama Bin Laden, es ist die Frage der Ideologie.
Die Amerikaner benehmen sich wie Kreuzfahrer.
Sie treten doch für den Kampf gegen Ungläubige ein.
Bibars: Diese Frage müssen Sie dem US-Präsidenten stellen.
Sollte er ein Interview geben, würden wir fragen. Jetzt fragen wir
Sie.
Muhammad: Ein Teil des Rechtes heißt Kriegsrecht. Und im Islam gibt
es
ein Kriegsrecht - El Dschihad.
Kriegsrecht muss man ausrufen.
Muhammad: Natürlich. Aber wir haben keinen Staat. Sollen wir warten,
bis wir einen Staat haben?
Ist es ausgerufen?
Muhammad: Wenn eine fremde Armee in einen islamischen Staat
einfällt,
dann gibt es die Verpflichtung zum Dschihad für jeden Muslim, sogar
für die
Frau.
Das trifft die USA und England?
Muhammad: Das ist der Fall Irak und Afghanistan, der Fall
Tschetschenien, es war der Fall Bosnien.
Gibt es Dschihad in Österreich?
Bibars: Sicher nicht, dafür gibt es keinen Anlass. Vor allem, weil
Österreich sich aus diesen Angelegenheiten heraushält.
Muhammad: Ich kann Ihnen sagen, die Menschen können ruhig schlafen.
Können Sie ausschließen, dass jemals jemand in dieser Moschee
betet,
der in irgendeiner Weise mit gewalttätigen Aktivitäten zu tun hat?
Bibars: Wir sind offen für jedermann. Wir machen hier keine
Gesinnungsprüfung. Aber wenn Sie konkret fragen, ob jemand in der
Öffentlichkeit darüber geredet hat, Anschläge gutzuheißen
oder an Anschlägen
teilzunehmen, dann kann ich Ihnen sagen: nein.
Wie organisieren Sie sich in Wien? Werben Sie offen?
Bibars: Wir machen keine Propaganda. Natürlich ist es durch
mündliche
Verbreitung bekannt, zumindest habe ich im Freundeskreis verlautbart, dass
wir diese Moschee übernommen haben.
Haben Sie jemals in Ihrer Predigt zu Gewalt aufgerufen oder Gewalt
verteidigt?
Muhammad: Was ist Gewalt?
Das beginnt bei einer Ohrfeige. . . Muhammad: Bei uns ist es so: Wenn
dir jemand auf die Wange schlägt, halten wir nicht die andere hin. Wenn
jemand eine Ohrfeige gibt, gibt man ihm auch eine. Aber wie gesagt, ich
spreche über Vorschriften des Islam. Und ich versuche, den Rahmen der
Gerechtigkeit nicht zu verlassen. Aber es gibt eine Gewalt, die mag eine
positive Meinung haben, gegen die bin ich nicht. Jeder Mensch hat ein Recht,
sich zu wehren. Sollte jemand versuchen, in meine Wohnung einzudringen, mich
zu bestehlen, mich in meiner Ehre zu entwürdigen, stoppe ich ihn.
Das endet dann beim Ansatz, Verbrechen mit Verbrechen zu bekämpfen.
Bibars: Ich frage Sie: Gibt es eine Alternative? Ich will nicht sagen,
dass es keine gibt. Möglicherweise sehen die Attentäter das genauso.
Ich
kenne sie nicht. Ich kann nur aus dem Bekennerschreiben meine Schlüsse
ziehen. Sie müssen sich vor Augen halten, dass diese jungen Leute, die
diese
Anschläge begehen, etwas "Gutes" im Sinne führen. Sie
wollen die europäische
Bevölkerung dazu bringen, sich gegen ihre Regierungen zu stellen und sie
veranlassen, ihre Truppen aus islamischen Gebieten abzuziehen.
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