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Nazis, ab in den sozialen Verachtungstod

Autor: m.blumentritt@cl-hh.comlink.de (Martin Blumentritt) (2003-07-02 00:00:00)

Nr. 2
"...[5. Oktober 1942] Die von den Lastwagen abgestiegenen Menschen,
Maenner, Frauen und Kinder jeden Alters, mussten sich auf Aufforderung
eines SS-Mannes, der in der Hand eine Reit- oder Hundepeitsche hielt,
ausziehen und ihre Kleider nach Schuhen, Ober- und Unterkleidern
getrennt an bestimmten Stellen ablegen. Ich sah einen Schutthaufen von
schaetzungsweise 800 bis 1OOO Paar Schuhen, grosse Stapel mit Waesche
und Kleidern. Ohne Geschrei oder Weinen zogen sich diese Menschen
aus, standen in Familiengruppen beisammen, kuessten und verabschiedeten
sich und warteten auf den Wink eines anderen SS-Mannes, der an der
Grube stand und ebenfalls eine Peitsche in der Hand hielt. Ich habe
waehrend einer Viertelstunde, als ich bei den Gruben stand, keine
Klagen oder Bitten um Schonung gehoert. Ich beobachtete eine Familie
von etwa acht Personen, einen Mann und eine Frau, beide von ungefaehr
so Jahren, mit deren Kindern, so ungefaehr 1-, 8- und 1ojaehrig, sowie
zwei erwachsene Toechter von 20 bis 24 Jahren. Eine alte
Frau mit schneeweissem Haar hielt das einjaehrige Kind auf dem Arm und
sang ihm etwas vor und kitzelte es. Das Kind quietschte vor
Vergnuegen. Das Ehepaar schaute mit Traenen in den Augen zu. Der Vater
hielt an der Hand einen Jungen von etwa 1O Jahren, sprach leise auf
ihn ein. Der Junge kaempfte mit den Traenen. Der Vater zeigte mit dem
Finger zum Himmel, streichelte ihn ueber den Kopf und schien ihm etwas
zu erklaeren. Da rief schon der SS-Mann an der Grube seinem Kameraden
etwas zu. Dieser teilte ungefaehr 20 Personen ab und wies sie an,
hinter den Erdhuegel zu gehen. Die Familie, von der ich hier sprach,
war dabei. Ich entsinne mich noch genau, wie ein Maedchen,
schwarzhaarig und schlank, als sie nahe an mir vorbeiging, mit der
Hand an sich herunterzeigte und sagte: »23 Jahre!« Ich ging um den
Erdhuegel herum und stand vor dem riesigen Grab. Dicht
aneinandergepresst lagen die Menschen so aufeinander, dass nur die
Koepfe zu sehen waren. Von fast allen Koepfen rann Blut ueber die
Schultern. Ein Teil der Erschossenen bewegte sich noch. Einige hoben
ihre Arme und drehten den Kopf, um zu zeigen, dass sie noch lebten.
Die Grube war bereits dreiviertel voll. Nach meiner Schaetzung lagen
darin bereits ungefaehr 1000 Menschen. Ich schaute mich nach dem
Schuetzen um. Dieser, ein SS-Mann, sass am Rand der Schmalseite der
Grnbe auf dem Erdboden, liess die Beine in die Grube herabhaengen,
hatte auf seinen Knien eine Maschinenpistole liegen und rauchte eine
Zigarette. Die vollstaendig nackten Menschen gingen an einer Treppe,
die in die Lehmwand der Grube gegraben war, hinab, rutschten ueber die
Koepfe der Liegenden hinweg bis zu der Stelle, die der SS-Mann anwies.
Sie legten sich vor die toten oder angeschossenen Menschen, einige
streichelten die noch Lebenden und sprachen leise auf sie ein. Dann
hoerte ich eine Reihe Schuesse. Ich schaute in die Grube und sah, wie
die Koerper zuckten oder die Koepfe schon still auf den vor ihnen
liegenden Koerpern lagen. Von den Nacken rann Blut. Ich wunderte mich,
dass ich nicht fortgewiesen wurde, aber ich sah, wie auch zwei oder
drei Postbeamte in Uniform in der Naehe standen. Schon kam die naechste
Gruppe heran, stieg in die Grube hinab, reibte sich an die vorherigen
Opfer an und wurde erschossen. Als ich um den Erdhuegel zurueckging,
bemerkte ich wieder einen soeben angekommenen Transport von Menschen.
Diesmal waren Kranke und Gebrechliche dabei. Eine alte, sehr magere
Frau mit fuerchterlich duennen Beinen wurde von einigen anderen, schon
nackten Menschen ausgezogen, waehrend zwei Personen sie stuetzten. Die
Frau war anscheinend gelaehmt. Die nackten Menschen trugen die Frau um
den Erdhuegel herum. Ich entfernte mich mit Moennikes und fuhr mit dem
Auto nach Dubno zurueck.

Am Morgen des naechsten Tages, als ich wiederum die Baustelle
besuchte, sah ich etwa 30 nackte Menschen in der Naehe der Grube, 30
bis 50 Meter von dieser entfernt, liegen. Einige lebten noch, sahen
mit stierem Blick vor sich hin und schienen weder die Morgenkaelte
noch die darumstehenden Arbeiter meiner Firma zu beachten. Ein
Maedchen von etwa 20 Jahren sprach mich an und bat um Kleider und um
Hilfe zur Flucht.- Da vernahmen wir auch schon das Herannahen eines
schnellfahrenden Autos, und ich bemerkte, dass es ein SS-Kommando war.
Ich entfernte mich zu meiner Baustelle. Zehn Minuten spaeter hoerten
wir einige Schuesse aus der Naehe der Grube. Man hatte die Leichen
durch die noch lebenden Juden in die Grube werfen lassen, sie selbst
mussten sich daraufhin in diese legen, um den Genickschuss zu erhalten.

Ich mache die vorstehenden Angaben in Wiesbaden, Deutschland, am 10.
November 1945. Ich schwoere bei Gott, dass dies die reine Wahrheit ist.
Fried Graebe"(Eidliche Erklaerung des Hermann Friedrich Graebe vom
10.11.1945, in: Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem
internationalen Militaergerichtshof, Nuernberg 1946, Bd. XXXXI, S.
447f (2992-PS))

Zur Begruendung der Postings siehe den woechentlich versandten Text mit
dem Betreff: Nazis, ab in den sozialen Verachtungstod!!!

Autor: m.blumentritt@cl-hh.comlink.de (Martin Blumentritt) (2003-07-02 00:00:00)




Autor: m.blumentritt@cl-hh.comlink.de (Martin Blumentritt) (2003-07-02 00:00:00)

Nr. 2
"...[5. Oktober 1942] Die von den Lastwagen abgestiegenen Menschen,
Maenner, Frauen und Kinder jeden Alters, mussten sich auf Aufforderung
eines SS-Mannes, der in der Hand eine Reit- oder Hundepeitsche hielt,
ausziehen und ihre Kleider nach Schuhen, Ober- und Unterkleidern
getrennt an bestimmten Stellen ablegen. Ich sah einen Schutthaufen von
schaetzungsweise 800 bis 1OOO Paar Schuhen, grosse Stapel mit Waesche
und Kleidern. Ohne Geschrei oder Weinen zogen sich diese Menschen
aus, standen in Familiengruppen beisammen, kuessten und verabschiedeten
sich und warteten auf den Wink eines anderen SS-Mannes, der an der
Grube stand und ebenfalls eine Peitsche in der Hand hielt. Ich habe
waehrend einer Viertelstunde, als ich bei den Gruben stand, keine
Klagen oder Bitten um Schonung gehoert. Ich beobachtete eine Familie
von etwa acht Personen, einen Mann und eine Frau, beide von ungefaehr
so Jahren, mit deren Kindern, so ungefaehr 1-, 8- und 1ojaehrig, sowie
zwei erwachsene Toechter von 20 bis 24 Jahren. Eine alte
Frau mit schneeweissem Haar hielt das einjaehrige Kind auf dem Arm und
sang ihm etwas vor und kitzelte es. Das Kind quietschte vor
Vergnuegen. Das Ehepaar schaute mit Traenen in den Augen zu. Der Vater
hielt an der Hand einen Jungen von etwa 1O Jahren, sprach leise auf
ihn ein. Der Junge kaempfte mit den Traenen. Der Vater zeigte mit dem
Finger zum Himmel, streichelte ihn ueber den Kopf und schien ihm etwas
zu erklaeren. Da rief schon der SS-Mann an der Grube seinem Kameraden
etwas zu. Dieser teilte ungefaehr 20 Personen ab und wies sie an,
hinter den Erdhuegel zu gehen. Die Familie, von der ich hier sprach,
war dabei. Ich entsinne mich noch genau, wie ein Maedchen,
schwarzhaarig und schlank, als sie nahe an mir vorbeiging, mit der
Hand an sich herunterzeigte und sagte: »23 Jahre!« Ich ging um den
Erdhuegel herum und stand vor dem riesigen Grab. Dicht
aneinandergepresst lagen die Menschen so aufeinander, dass nur die
Koepfe zu sehen waren. Von fast allen Koepfen rann Blut ueber die
Schultern. Ein Teil der Erschossenen bewegte sich noch. Einige hoben
ihre Arme und drehten den Kopf, um zu zeigen, dass sie noch lebten.
Die Grube war bereits dreiviertel voll. Nach meiner Schaetzung lagen
darin bereits ungefaehr 1000 Menschen. Ich schaute mich nach dem
Schuetzen um. Dieser, ein SS-Mann, sass am Rand der Schmalseite der
Grnbe auf dem Erdboden, liess die Beine in die Grube herabhaengen,
hatte auf seinen Knien eine Maschinenpistole liegen und rauchte eine
Zigarette. Die vollstaendig nackten Menschen gingen an einer Treppe,
die in die Lehmwand der Grube gegraben war, hinab, rutschten ueber die
Koepfe der Liegenden hinweg bis zu der Stelle, die der SS-Mann anwies.
Sie legten sich vor die toten oder angeschossenen Menschen, einige
streichelten die noch Lebenden und sprachen leise auf sie ein. Dann
hoerte ich eine Reihe Schuesse. Ich schaute in die Grube und sah, wie
die Koerper zuckten oder die Koepfe schon still auf den vor ihnen
liegenden Koerpern lagen. Von den Nacken rann Blut. Ich wunderte mich,
dass ich nicht fortgewiesen wurde, aber ich sah, wie auch zwei oder
drei Postbeamte in Uniform in der Naehe standen. Schon kam die naechste
Gruppe heran, stieg in die Grube hinab, reibte sich an die vorherigen
Opfer an und wurde erschossen. Als ich um den Erdhuegel zurueckging,
bemerkte ich wieder einen soeben angekommenen Transport von Menschen.
Diesmal waren Kranke und Gebrechliche dabei. Eine alte, sehr magere
Frau mit fuerchterlich duennen Beinen wurde von einigen anderen, schon
nackten Menschen ausgezogen, waehrend zwei Personen sie stuetzten. Die
Frau war anscheinend gelaehmt. Die nackten Menschen trugen die Frau um
den Erdhuegel herum. Ich entfernte mich mit Moennikes und fuhr mit dem
Auto nach Dubno zurueck.

Am Morgen des naechsten Tages, als ich wiederum die Baustelle
besuchte, sah ich etwa 30 nackte Menschen in der Naehe der Grube, 30
bis 50 Meter von dieser entfernt, liegen. Einige lebten noch, sahen
mit stierem Blick vor sich hin und schienen weder die Morgenkaelte
noch die darumstehenden Arbeiter meiner Firma zu beachten. Ein
Maedchen von etwa 20 Jahren sprach mich an und bat um Kleider und um
Hilfe zur Flucht.- Da vernahmen wir auch schon das Herannahen eines
schnellfahrenden Autos, und ich bemerkte, dass es ein SS-Kommando war.
Ich entfernte mich zu meiner Baustelle. Zehn Minuten spaeter hoerten
wir einige Schuesse aus der Naehe der Grube. Man hatte die Leichen
durch die noch lebenden Juden in die Grube werfen lassen, sie selbst
mussten sich daraufhin in diese legen, um den Genickschuss zu erhalten.

Ich mache die vorstehenden Angaben in Wiesbaden, Deutschland, am 10.
November 1945. Ich schwoere bei Gott, dass dies die reine Wahrheit ist.
Fried Graebe"(Eidliche Erklaerung des Hermann Friedrich Graebe vom
10.11.1945, in: Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem
internationalen Militaergerichtshof, Nuernberg 1946, Bd. XXXXI, S.
447f (2992-PS))

Zur Begruendung der Postings siehe den woechentlich versandten Text mit
dem Betreff: Nazis, ab in den sozialen Verachtungstod!!!