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Der smarte Rassismus

Autor: "Olivier Hess" (2003-06-30 11:49:30)

Dänischer Rassist bezeichnet sich als "Held" oder
"Warum Bush solche Arschkriecher braucht":

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,255196,00.html

DER JÄGER DER WIESEL

Wie ein Pizzabäcker auf der Insel Fanø die USA verteidigt

Aus der "Frankfurter Allgemeinen"

Am Dienstag vor drei Wochen stieg Niels-Aage Bjerre in seinen besten Anzug,
heftete die Anstecknadel mit dem Sternenbanner ans Revers, bestieg die Fähre
zum Festland und setzte sich in den Gerichtssaal von Esbjerg.
20 Minuten sprach der Richter, es ging um Diskriminierung von Minderheiten
und um die Frage, wie weit freie Meinungsäußerung gehen dürfe. Seit dem 10.
Februar 2003 weigert sich nämlich der Angeklagte, ledig, 44 Jahre alt und
eigentlich ein höflicher Mann, Deutsche und Franzosen in seiner Pizzeria auf
Fanø zu bedienen. Der Grund, so hatte er zu Protokoll gegeben: Die
Regierungen beider Länder verhielten sich illoyal gegenüber den USA, die
Feiglinge machten nicht mit beim Irak-Krieg.

AP

Niels-Aage Bjerre

Der Richter fand, dass es nun ein Ende haben müsste mit Bjerres Boykott, er
zitierte aus den Akten: Am 2. Mai 2003 hatte John N. in "Aages Pizza" in
fließendem Dänisch zwei Pizzen für sich und seine Frau Silke bestellt.
Bjerre hatte den Teig auf seinen Fingerkuppen zu flachen Fladen gedreht, sie
mit Tomatensauce bestrichen und mit Pølsern, dänischen Würstchen, belegt.
Nach drei Minuten hatte er sie lecker dampfend aus dem Ofen gezogen, Oregano
drübergestreut und am Tisch serviert. Als Bjerre jedoch hörte, dass John und
Silke N. deutsch miteinander sprachen, hatte er gefragt, woher sie denn
kämen. Aus Gilleleje, hatte John N. gesagt, seit 30 Jahren aber leben wir in
Deutschland, Silke kommt von dort.

"Dann haben wir ein Problem", hatte Bjerre gesagt, die Pizzen vom Tisch
gezogen und in den Mülleimer neben der Kasse geworfen.

Der Richter sprach das Urteil: 5000 Kronen Bußgeld oder acht Tage Gefängnis.
Er fragte: "Wollen Sie in Berufung gehen?" Der Verurteilte dachte an seine
Mission, an die vielen Briefe, an die Interviews mit US-Medien, die ihn den
"großen Dänen" nannten, ihren Helden. Bjerre fand, dass sein Leben endlich
begonnen hatte, Spaß zu machen. Er sagte: "Ich gehe in Be-rufung."

Bjerres Mission gegen die Achse der Wiesel begann am 11. September 2001. Am
selben Tag, so glaubt jedenfalls Bjerre, an dem George W. Bush seinen Kampf
gegen den Terror ersann. Nachdem Bjerre Ground Zero im Fernsehen gesehen
hatte, malte er ein Schild und hängte es über den Pizzaofen: "Allah ist
groß, Bush größer".

Während des Afghanistan-Krieges sei er zufrieden gewesen, niemand hätte
protestiert. Im Januar 2003 aber sei er wütend geworden, als Chirac und
Schröder gegen die Weltpolizei wetterten. "Wir haben unsere Freiheit den USA
zu verdanken", sagt Bjerre, "wie kann man das bloß vergessen?" Auf dem
Festland orderte Bjerre zwei neue Schilder. Darauf: mit dicken roten Balken
durchgestrichene Männchen; eines quer gestreift, schwarz, rot, gold; das
andere längs gestreift, rot, weiß, blau. Bjerre hatte es eilig mit seinem
Boykott, so merkte er nicht, dass sich die Druckerei vertan hatte bei der
Anordnung der französischen Farben.

AP

Rotwein in den Gully

Im Februar rief Bjerre bei der Zeitung "Judske Vestkysten" an. In den USA
würden französische und deutsche Waren boykottiert, nun wolle er auch etwas
in Dänemark unternehmen. Ein Foto von Bjerre erschien, wie er eine Flasche
"Dom Pérignon", Jahrgang 1995, in den Gully kippte und die Schilder an
seiner Tür befestigte.

Seitdem steht Bjerre in seiner Pizzeria im ochsenblutfarbenen Häuschen in
Nordby auf der nördlichsten der nordfriesischen Inseln und lächelt über
seine Gäste, die "Guten Tag" sagen, weil Deutsche in Dänemark immer deutsch
sprechen. "Sind Sie wirklich aus Deutschland?", vergewissert sich Bjerre
dann auf Englisch, weil er aus Åalborg, Nordjütland, stammt, wo man kein
Deutsch spricht. Er muss oft fragen, 70 000 der 100 000 Gäste im Jahr sind
Deutsche. Sie dürfen mit ihren Autos auf den breiten Sandstrand fahren und
fotografieren sich im seichten Wasser, wenn die Sonne untergeht.

Es sei immer das Gleiche, sagt Bjerre: Die Männer blickten betreten zu
Boden, die Frauen stürmten aus dem Laden, beleidigt und keifend. Dabei habe
er gar nichts gegen Deutsche oder Franzosen, sie sollten nur begreifen,
welche Folgen ihre Politik habe. Es sei kein Rassist, er verhänge lediglich
ein Handelsembargo.

Neider, die behaupten, Bjerre sei ein Werbegenie, muss er enttäuschen. 100
000 Kronen habe er schon verloren, die Bank sei sehr besorgt. Viermal schon
hätten ihm Nachbarn die Fensterscheiben kaputtgeworfen. Täglich fragten sie:
Bjerre, wie lange noch? Unter Umständen lange, antwortet Bjerre dann. Es sei
denn, Deutschland und Frankreich bewiesen endlich Vernunft. Im drohenden
Iran-Krieg etwa, in Nordkorea. Oder sie wählten Schröder ab, das würde schon
genügen. "3169 Dänen leben auf Fanø, jeder zweite hasst mich", sagt Bjerre,
"dafür lieben mich 250 Millionen Amerikaner. Vergleichen Sie selbst."

Nach Feierabend sitzt Bjerre meist allein in seiner kleinen Wohnung am Hafen
und malt sich die Zukunft aus. Dabei kostet er von der Erdnussbutter, die
sie ihm geschickt haben, hört die CD "The Majesty of America", Geschenk
eines Mormonen-Chors. Er liest in den 400 Briefen, in einigen stecken
Dollarnoten als Trostpflaster für seine Umsatzeinbußen. Einer schrieb:
"Meine beiden Großväter riskierten ihr Leben im Zweiten Weltkrieg, weil sie
wussten, dass es dort Menschen wie Sie gibt. Ich werde weiterhin für Sie
beten!"

In solchen Momenten überlegt Bjerre, ob er "Aages Pizza" nicht verkaufen
und endlich in das Land gehen soll, in dem er nie zuvor gewesen ist. Zwei
Angebote liegen vor. Eine Pizzeria in Los Angeles würde ihn beschäftigen,
eine Dame den Flug zahlen und Bjerre ihr Auto leihen.

FIONA EHLERS
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Autor: Mirco Wahab (2003-06-30 11:58:36)

Olivier Hess wrote:
> ...
> malte er ein Schild und hängte es über den Pizzaofen:
> "Allah ist groß, Bush größer".
> ...
> Ein Foto von Bjerre erschien, wie er eine Flasche
> "Dom Pérignon", Jahrgang 1995, in den Gully kippte
> und die Schilder an seiner Tür befestigte.
> ...
> Es sei denn, Deutschland und Frankreich bewiesen endlich Vernunft.
> Im drohenden Iran-Krieg etwa, in Nordkorea. Oder sie wählten Schröder ab,
> das würde schon genügen.
> ...
> "dafür lieben mich 250 Millionen Amerikaner. Vergleichen Sie selbst."
> ...
> Nach Feierabend sitzt Bjerre meist allein in seiner kleinen Wohnung

Irgendwie bewundere ich ihn aber dann doch ;-)

Leider ist es nur eine kleine Krankheit, ein
dummer kleiner Hass, was ihn treibt.

Man stelle sich vor, er *wüsste* was er tut.

M.

Autor: Mirco Wahab (2003-06-30 11:58:36)




Autor: Mirco Wahab (2003-06-30 11:58:36)

Olivier Hess wrote:
> ...
> malte er ein Schild und hängte es über den Pizzaofen:
> "Allah ist groß, Bush größer".
> ...
> Ein Foto von Bjerre erschien, wie er eine Flasche
> "Dom Pérignon", Jahrgang 1995, in den Gully kippte
> und die Schilder an seiner Tür befestigte.
> ...
> Es sei denn, Deutschland und Frankreich bewiesen endlich Vernunft.
> Im drohenden Iran-Krieg etwa, in Nordkorea. Oder sie wählten Schröder ab,
> das würde schon genügen.
> ...
> "dafür lieben mich 250 Millionen Amerikaner. Vergleichen Sie selbst."
> ...
> Nach Feierabend sitzt Bjerre meist allein in seiner kleinen Wohnung

Irgendwie bewundere ich ihn aber dann doch ;-)

Leider ist es nur eine kleine Krankheit, ein
dummer kleiner Hass, was ihn treibt.

Man stelle sich vor, er *wüsste* was er tut.

M.

Autor: "Olivier Hess" (2003-06-30 12:05:13)

Mirco Wahab wrote:
> Olivier Hess wrote:
>> ...
>> malte er ein Schild und hängte es über den Pizzaofen:
>> "Allah ist groß, Bush größer".
>> ...
>> Ein Foto von Bjerre erschien, wie er eine Flasche
>> "Dom Pérignon", Jahrgang 1995, in den Gully kippte
>> und die Schilder an seiner Tür befestigte.
>> ...
>> Es sei denn, Deutschland und Frankreich bewiesen endlich Vernunft.
>> Im drohenden Iran-Krieg etwa, in Nordkorea. Oder sie wählten
>> Schröder ab, das würde schon genügen.
>> ...
>> "dafür lieben mich 250 Millionen Amerikaner. Vergleichen Sie selbst."
>> ...
>> Nach Feierabend sitzt Bjerre meist allein in seiner kleinen Wohnung
>
> Irgendwie bewundere ich ihn aber dann doch ;-)
>
> Leider ist es nur eine kleine Krankheit, ein
> dummer kleiner Hass, was ihn treibt.
>
> Man stelle sich vor, er *wüsste* was er tut.
>
> M.

Hi Mirco,

Sorry, aber ich kenne hier tausende deutschsprechende Ostbelgier mit
pauschalem Deutschenhass. Das ist der Gipfel der Idiotie, das ist wie ein
Wurm im Hirn.

Olivier
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Autor: Mirco Wahab (2003-06-30 12:13:14)

Olivier Hess wrote:
> Mirco Wahab wrote:
> > > malte er ein Schild und hängte es über den Pizzaofen:
> > > "Allah ist groß, Bush größer".
> >
> > Man stelle sich vor, er *wüsste* was er tut.
>
> Sorry, aber ich kenne hier tausende deutschsprechende Ostbelgier mit
> pauschalem Deutschenhass. Das ist der Gipfel der Idiotie, das ist wie
> ein Wurm im Hirn.

Oder ein psychischer Schutzmechanismus? Immerhin haben die
Deutschen mit den Belgiern immer gemacht, was sie wollten.

M.

Autor: "Olivier Hess" (2003-06-30 12:42:01)

Mirco Wahab wrote:
> Olivier Hess wrote:
>> Mirco Wahab wrote:
>>>> malte er ein Schild und hängte es über den Pizzaofen:
>>>> "Allah ist groß, Bush größer".
>>>
>>> Man stelle sich vor, er *wüsste* was er tut.
>>
>> Sorry, aber ich kenne hier tausende deutschsprechende Ostbelgier mit
>> pauschalem Deutschenhass. Das ist der Gipfel der Idiotie, das ist wie
>> ein Wurm im Hirn.
>
> Oder ein psychischer Schutzmechanismus? Immerhin haben die
> Deutschen mit den Belgiern immer gemacht, was sie wollten.
>
> M.

Die Belgier unter sich aber auch... ;-(
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