Autor: Carla Schneider (2003-06-29 21:53:08)
Tilmann Chladek wrote:
>
> Carla Schneider wrote:
> > Albrecht Kolthoff wrote:
> [...]
> > > >Nein,aber die Tatsache dass ich nicht weiss wo man ihn
nachlesen
> > > >kann widerlegt nicht seine Existenz.
> > >
> > > Ja, das ist so wie bei Harvey dem Hasen.
>
> So ungefähr: "Es gab irgendwo einen Plan, die Juden umzusiedeln.
Zwar
> hat ihn niemand je gesehen, doch bis auf dieses Detail ist seine
> Existenz gut nachgewiesen"?
>
> > >
> > > > Und Hinweise dafuer dass es solche
> > > >Plaene gab, gibt es genug, z.B. auch auf
> > > >http://www.shoa.de/madagaskar plan.html
> > >
> > > Da steht zu lesen:
> > >
> > > Hitlers Entscheidung für einen
"Vernichtungskrieg" gegen die
> > > Sowjetunion implizierte auch die Vernichtung der Juden.
> >
> > Was aber die privatmeinung des Autors ist, wenn auch nicht ganz
falsch.
>
> Nun, um einen Satz mehr zu zitieren:
> "Mit der deutschen Niederlage gegen Großbritannien kam das
Vorhaben im
> September 1940 schlagartig zum Erliegen. Hitlers Entscheidung für
einen
> Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion implizierte auch die
> Vernichtung der Juden."
>
> Der "Madagaskar-Plan" hatte von Anfang an den Sieg über
Großbritannien
> und Frankreich und somit der Eroberung der französischen Kolonien und
> der britischen Handelsflotte zur notwendigen Voraussetzung.
Nein, nur den Sieg ueber Frankreich, mit den briten waere auch ein
verstaendigungsfrieden ausreichend gewesen, denn Madagaskar war eine
Franzoesische , keine britische Kolonie, uebrigends im Gegensatz
zu Palaestina.
>
> Doch selbst wenn diese (utopische) Voraussetzung eingetreten wäre,
muss
> man fragen, ob der Plan angesichts der zur Debatte stehenden
> Größenordnungen je hätte realisiert werden können.
Auf der zitierten
> Netzseite steht nämlich auch zu lesen:
> "1937 erhielt Polen, das die Emigration der Juden vorantreiben
wollte,
> von Frankreich die Genehmigung, eine dreiköpfige
Prüfungskommission nach
> Madagaskar zu schicken, um Ansiedlungsmöglichkeiten für
polnische Juden
> zu erkunden. Der Kommission gehörten Major Mieczyslaw Lepecki, Leon
> Alter und Salomon Dyk an. Lepecki vertrat die Ansicht, daß 40.000
bis
> 60.000 Juden im Hochland angesiedelt werden könnten, doch Alter war
der
> Meinung, die Insel böte höchstens für 2000 Juden
Platz."
Was natuerlich bei der Groesse Madagaskars schon etwas verwundert.
>
> >
> > Was dort aber sonst noch steht impliziert
>
> Das ist Deine Privatmeinung, die durch den zitierten Text nicht gedeckt
> wird.
>
> > dass bis zu dem Zeitpunkt
> > an dem klar wurde dass England weder einen Frieden mit Deutschland
wollte
> > noch besiegt werden konnte, also den Krieg bis zur Vernichtung
Deutschlands
>
> Großbritannien hat den Krieg nie bis zur "Vernichtung
Deutschlands"
> geführt, sondern nur bis zur "Vernichtung des NS-Regimes".
Nun kann es
> natürlich sein, dass Du das NS-Regime umstandslos mit Deutschland
> gleichsetzt - was mich nicht wirklich überraschen würde.
Deutschland war nach dem Krieg immerhin 45 Jahre lang von den Allierten besetzt
und nicht souveraen. Dass das es nicht noch schlimmer wurde lag nur am
Ost-West
Konflikt.
Richtig ist allerdings dass man das NS-Regime vernichten wollte , und zwar
physisch. Hitler wusste dass die Briten seinen Kopf wollten, und zwar
woertlich.
>
> Aber in der zitierten Netzseite steht nichts von dem, was Du behauptest,
> auch nicht implizit.
Da stehen allerhand Hinweise fuer die Existenz eines Madagaskar Planes.
> Allerdings wird dort als Voraussetzung für den
> Madagaskar-Plan ausdrücklich der deutsche Sieg über
Großbritannien und
> Frankreich genannt: "Da sie [=die NS-Führer, T.Ch.] mit einem
baldigen
> Sieg über Frankreich und Großbritannien rechneten, spekulierten
sie auf
> die Verfügungsgewalt über die französischen Kolonien und
die britische
> Handelsflotte."
Frankreich wurde ja auch tatsaechlich besiegt, die Briten haette man nicht
besiegen brauchen, ein Friedensschluss haette auch gereicht, Madagaskar
war nicht Britisch.
>
> Und diese Voraussetzung ist - wie jeder weiß - nie eingetreten.
Stimmt , GB wollte den Krieg bis zur vernichtung Deutschlans weiterfuehren.
>
> > weiterfuehren wollte, keine Vernichtung der Juden geplant war.
> >
> > Ich selbst glaube
>
> Glaube statt Wissen?
Ich war nicht dabei.
>
> > dass das auch am Anfang des Feldzuges gegen die
> > Sowjetunion noch nicht geplant war, zumindest so lange man noch eine
reale
> > Chance auf den Sieg sah.
>
s> Nun, dagegen spricht, dass die deutschen Einsatzbefehle natürlich
vor
> Beginn der "Aktion Barbrarossa" geschrieben waren und dass die
> "Einsatzgruppen" von Anfang des Feldzuges gegen die Sowjetunion
an
> wirkten:
> "Unter Berücksichtigung der bereits zusammengetragenen
ergänzenden
> Zahlen und einer allem Anschein nach nicht unerheblichen Dunkelziffer
> muß man wohl davon ausgehen, daß nicht weniger als
700.000-750.000 Juden
> bereits im ersten Dreivierteljahr der nationalsozialistischen
> Besatzungsherrschaft auf sowjetischem Boden den gegen sie gerichteten
> Verfolgungsmaßnahmen zum Opfer gefallen sind." (aus:
Hans-Heinrich
> Wilhelm, Die Einsatzgruppen und die "Endlösung der
Judenfrage", in: Karl
> Dietrich Bracher, Manfred Funke, Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.),
> Nationalsozialistische Diktatur 1933-1945. Eine Bilanz, Bundeszentrale
> für politische Bildung, Schriftenreihe Band 192, Bonn 1986, ISBN
> 3-921352-95-9, S. 591-617, hier S. 593)
Nutzt nur etwas wenig, denn bereits nach einem halben Jahr, der Niederlage
bei Moskau war klar dass der Sieg eher unwarscheinlich wird.
>
> Hauptquelle für den angeführten Aufsatz sind übrigens die
> Einsatzmeldungen der mobilen Einsatzgruppen, also offizielle
> Schriftstücke des damaligen deutschen Staates.
--
http://www.geocities.com/carla sch/index.html